Gärtner oder Architekt

Manche machen es so, andere wollen es anders. Und es kann nicht schaden, wenn man weiß, wie man selbst es am liebsten macht.

Ich spreche von der Art, wie ein Autor seine Romane schreibt.
Für die beiden komplett verschiedenen Herangehensweisen gibt es zwei Begriffe, die ich sehr passend finde.

Die einen Autoren sind Gärtner. Sie beginnen mit dem ersten Satz und sehen dann, wohin sie ihre Geschichte bringt. Berühmte Beispiele dafür sind Stephen King oder George R.R. Martin.

Eine andere Art von Autoren sind Architekten. Bevor sie noch die erste Zeile einer Geschichte aufgeschrieben haben, haben sie schon seitenweise Charakterentwicklung und Plotplanung hinter sich.

Ich finde die Begriffe Gärtner und Architekt zwar sehr stimmungsvoll. Dennoch benutze ich selbst die Begriffe Bauchschreiber und Planer lieber, da sie die Vorgehensweise während des Schreibens am besten erfassen.

Beide Seiten haben Vorteile.
Der Bauchschreiber schreibt oft sehr emotional und zieht den Leser meist tief in seine Geschichte hinein, da er selbst sie mit seinem Leser zusammen entdeckt.
Der Planer hat eine größere Dichte an überraschenden Wendungen. Er schafft es meistens, dass am Ende des Romans alle Fäden zusammenkommen und der Leser ein Aha-Erlebnis hat.

Doch es gibt auch Nachteile.
Der Bauchschreiber krankt oft an losen Plotfäden, die er nicht zu einem befriedigenden Ende führen kann.
Der Planer kreiert Charaktere, denen das gewisse Etwas fehlt. Seine Welt erscheint nicht ganz so lebendig.

Es gibt natürlich auch Mischformen dieser Schreibschulen.
Für einen Autor ist es elementar wichtig, zu wissen, zu welcher Schreibart er eher tendiert. Denn nur so kann er wirklich produktiv sein.

Ich selbst habe schon immer viel lieber geplant, als aus dem Bauch heraus geschrieben.
Das habe ich mir selbst in einem Experiment eindrucksvoll bewiesen.
Im Herbst 2014 begann ich eine Geschichte, von der ich absolut nichts vorher geplant hatte. Ich wollte sie komplett aus dem Bauch heraus schreiben. Die Geschichte hat nach gut einem halben Jahr an Arbeit ca. 120 Seiten vorzuweisen. Und das, was ich geschrieben habe, gefällt mir selbst nicht wirklich gut.
Im April 2015 hingegen habe ich mit dem Schreiben an einem geplanten Kurzroman begonnen. Um die 100 Seiten dieser Geschichte zu schreiben, habe ich gerade einmal 14 Tage gebraucht.

Mein Fazit: Ich persönlich kann viel effektiver schreiben, wenn ich einen konkreten Plan vor mir habe. Jeden Tag werfe ich einen Blick in meinen Szenenplan und weiß ganz genau, was heute dran ist.

Manche beschweren sich darüber, dass ihnen auf diese Weise die Kreativität fehle, sie fühlen sich eingeschnürt. Doch für mich ist das nur zum Teil wahr. Auf der einen Seite kann ich mir während der Planungsphase so viel Freiheit nehmen, wie ich will. Auf der anderen Seite arbeite ich meinen Szenenplan zwar recht detailliert aus, es gibt aber immer noch jede Menge Dinge, die ich erst während des Schreibens festlege und die ich damit auch »schreibend entdecken« kann.

Für mich persönlich funktioniert das Schreiben aus dem Bauch heraus nicht. Zumindest nicht effektiv.
Auch wenn viele Bestseller Autoren genau diese Art zu schreiben praktizieren.
Es gibt aber auch andere. Ein Beispiel ist Brandon Sanderson. Der bekennende Planer schreibt Romane, die sich weltweit bestens verkaufen.

Immer genug Muße zum Lesen
und plant Kathedralen oder beackert den wilden Garten darum herum.

Euer Dominik Schmeller

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