Hinter dem Tor – Martin S. Burkhardt – Fantasyroman

In »Hinter dem Tor« folgen wir der jungen Lara durch ein Tor in ihrem Internat und betreten die Welt Alea. Die Geschichte beginnt mit einem Klischee und bleibt leider leblos.

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=bZXoZTy99fA

Welt:
Die Welt Alea – eine Parallelwelt zu unserer Erde – ist vollkommen mit Wald bewachsen. Alles Interessante scheint sich in der riesigen Stadt Alea abzuspielen, die jedoch von Soldaten drangsaliert wird. Diese Schutztruppen sind eigentlich dazu da, die Menschen in der Stadt vor den Gefahren aus dem Wald zu schützen. Doch einerseits scheinen diese Gefahren kaum zu existieren und andererseits leiden die Bewohner von Alea mehr unter der Herrschaft durch die Soldaten, als durch die Gefahr von außen.
In diese Welt stolpert die 14-jährige Internatsschülerin Lara. Ist sie auserkoren, die Retterin dieser Welt zu sein? Aber natürlich …
Hier wird auch gleich das erste Problem des Buches klar: Vieles entstammt Klischees oder ist zu vorhersehbar.
Der Grund dafür, dass Lara überhaupt auf das wundersame Internat geschickt wird, ist die Scheidung ihrer Eltern. Zu allem Überfluss spielt aber weder die Scheidung noch einer der beiden Eltern im weiteren Buch eine Rolle. Warum also, wird uns von der Scheidung überhaupt erzählt? Soll es den Charakter von Lara verdeutlichen? Wenn ja, warum denkt dann Lara kein einziges Mal später an diese dramatische Scheidung?
Dies ist nur ein Beispiel für viele Punkte, die in diesem Buch ähnlich gehandhabt werden. Alles wird immer dann aus dem Ärmel geschüttelt, wenn es gerade nötig ist. Doch nichts hat wirklich Einfluss, kein Ereignis scheint von dauerhafter Relevanz zu sein.

Charaktere:
Die Personen, allen voran die Hauptperson Lara (ebenfalls die einzige POV), bleiben leider sehr flach. Nichts bindet den Leser emotional an die Figuren. Leider schafft es der Roman nicht, die Gefahren, die die Charaktere durchstehen müssen, wirklich aufregend und relevant zu schildern. Nicht einmal die Charaktere selbst scheinen wirklichen Anteil an dem Geschehen zu haben. So wirken die Hauptcharaktere nach dem großen Finale so, als kämen sie gerade von einer Teeparty.
Zitat einer der Figuren: »Das war ja viel besser, als ich erwartet habe«, sagte er zufrieden.

Handlung:
Die Verbindung der Erde mit Alea durch ein Tor im Internat ist eigentlich völlig austauschbar. Für die Geschichte ist es vollkommen ohne Belang, ob Lara von der Erde kommt oder nicht. Für die Lösung des letzten Konflikts greift die Geschichte sogar auf die Erklärung zurück, dass Laras Vorfahren vielleicht einmal aus Alea stammten.
Richtig unglaubwürdig wird es, als Lara dieses Tor nach Alea entdeckt. Es steckt in einem Raum am Ende eines für jeden zugänglichen (lediglich für Schüler verbotenen) Ganges. Der Zugang zu diesem Raum ist unverschlossen und das Tor, das wie ein Garagentor geformt ist, lässt sich einfach öffnen, wenn man einen roten Knopf drückt.
Ist ja nicht so, dass ein Tor in eine andere Dimension hier auf der Erde so viel wert wäre, dass dafür Kriege ohne Ende geführt würden …
Die Erzählstimme des Romans wirkt sehr kindlich und damit für einen erwachsenen Leser etwas naiv, wohingegen die Handlung stellenweise ganz schön brutal wird. Von der Intensität liest es sich wie ein Kinderbuch, von der Handlung will es ein Buch für Erwachsene sein. Deshalb passt es für keinen von beiden.

Sprache:
Leider ist die Erzählweise platt und konnte mich beim Lesen überhaupt nicht packen. Vor allem hat mich gestört, dass offenbar nicht genug Mühe darauf verwendet wurde, treffend zu formulieren. Detailarmut und Substantivismus lassen die Sprache unhandlich und lieblos erscheinen.

Fazit:
Leider eine leblose Geschichte, die mich nicht packen konnte.
Einen Stern extra gibt es nur für die Handvoll spannender Ideen, die der Autor eingebaut hat. So fand ich das Waldwasser und die Raubwehre ganz cool (siehe meine Videorezension).

Die Stunde der Helden – Jörg Benne – Fantasyroman

Im Roman “Die Stunde der Helden” geht es genau darum: um Helden. Eigentlich geht es um den Barden und Poeten Felahar, der durch die wilden Nordlande zieht und erst allmählich erkennt, aus welchem Holz manchen Helden wirklich geschnitzt sind.

Meine Videorezenion zum Buch:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=WGP_3oKZIw0

Welt:
Die Welt Nuareth, die Jörg Benne in diesem Roman ausbaut, scheint mir sehr gut durchdacht zu sein. Diese Geschichte spielt in den rauen Nordlanden. Besonders aufgefallen ist mir hier, wie detailverliebt der Autor die Siedlungen der Gegend beschreibt. Jede von ihnen scheint eine eigene Seele zu haben. Besonders rausgestochen hat für mich Velnshöh, eine Bergbausiedlung mit herrlich versnobbten Minenbesitzern.

Charaktere:
Die Hauptcharaktere sind ausführlich entwickelt. In kurzen, eingestreuten Rückblenden wird der Hintergrund der drei Helden Dalagar, Wim und Huk beleuchtet, die der Ich-Erzähler Felahar begleitet, um ihre Abenteuer aufzuschreiben.
Gerade diese drei Helden zeigen in vielen Punkten starke Klischees. Der schöne Kämpfer, der jeder Frau hinterhersteigt, der tumbe Hüne und der garstige Zwerg. Trotzdem gelingt es dem Autor einige Details einzubauen, die das Klischee der Helden aufbrechen und sie so einzigartig machen. Beispielsweise trägt der schöne Schwertkämpfer eine Augenklappe.
In “Die Stunde der Helden” tauchen viele Nebenfiguren auf, die leider nicht alle überzeugen können. Dies liegt vor allem daran, dass die Tiefe fehlt und sie beim Lesen nicht genug Herz wachsen.

Handlung:
Die Handlung folgt der Reise der Helden durch die Nordlande. Dadurch wechseln nicht nur die Orte, sondern auch die Feinde der Helden ziemlich rasant. Dies führt dazu, dass sich ein Gesamtbild nicht einstellen will. Der Geschichte fehlt das Gefühl eine “runde Sache” zu sein. Es wirkt mehr, wie mehrere Abenteuer, die hintereinander erzählt werden.
Doch die beschriebenen Abenteuer sind flott erzählt und sehr spannend. Ich denke, dieses Konzept der Abenteuerreise ist vom Autor so gewollt. Für mich fehlt dadurch aber das große “Aha” im Roman.

Sprache:
Ich muss mich vor Jörg Benne verbeugen. Ihm gelingt es an vielen Stellen des Romans, die Emotionen der Figuren grandios rüberzubringen. Und das, obwohl die eine oder andere Situation wirklich krass ist. Hut ab.
Auch das Finale ist sprachlich eindeutig einer der Höhepunkte der Geschichte. Nicht nur spannend, sondern auch präzise komponiert.

Fazit:
Ein rundweg gelungener Low Fantasy-Roman ohne Magie aber viel Kraft und Emotion. Freunde von gut durchdachten Welten werden bei Jörg Benne sicher ihre Freude finden.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen.

1497 – Rupes Picarum – Hexenmeister Jakob Wolff – Mystery-Roman

In dieser Episode der Reihe “Hexenmeister Jakob Wolff” von Tanja Kummer (inzwischen die dritte aus der Feder der Autorin und die dritte Episode der Reihe, chronologisch gesehen), wird Jakob vor Probleme gestellt, die unmöglich und vor allem auch unlösbar zu sein scheinen.

Meine Videorezension zum Buch:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=0oNblqghbIM

Handlung:
Die Episode “1497 – Rupes Picarum” spinnt die Geschichte von Jakob und Lilo weiter.
Zunächst wird der Leser in einen Strudel der Verwirrung geworfen und versteht erst allmählich, dass die Wiederholungen am Anfang des Romans (die ersten 10 Kapitel heißen alle gleich!) beabsichtigt sind. Jakob befindet sich nämlich in einer Art Zeitschleife und es scheint gar nicht so einfach, dort wieder herauszukommen.
Im Mittelteil des Buches bekommt es Jakob dann mit einem Erz-Bösewicht zu tun, der unbesiegbar erscheint.
Zum Ende hin kümmert sich die Geschichte mehr um Jakobs Innenleben, denn schwere Entscheidungen stehen an und Jakob lässt sein bisheriges Leben Revue passieren.

Insgesamt gliedert sich das Buch in die oben genannten drei Teile. Diese sind von der Handlung her so unterschiedlich, dass es mir bei jedem Wechsel vorkam, als begänne ein komplett neuer Roman.

Charaktere:
Der Bösewicht der Geschichte ist wunderbar gelungen. Nicht nur abgrundtief böse, sondern auch ohne Reue und gefährlich, hat Tanja Kummer Jakobs Gegenspieler entworfen. Fragt sich nur, was da in späteren Episoden noch kommen soll. Wie soll da noch was draufgelegt werden?

Nicht so gut gefallen mir teilweise die “Gaben” einiger der Charaktere. Fast erscheinen sie willkürlich. Ich erinnere mich dabei an die Reizwortgeschichten aus der Schule, bei der man scheinbar wahllose Worte zu einer Geschichte verbinden sollte. Fast scheint es auch hier so. Wurden die “Gaben” der Charaktere zuerst ausgewählt und dann versucht diese irgendwie in die Geschichte einzubauen? Die Stärke der “Gaben” variiert auf alle Fälle sehr stark, von gottgleicher Zauberer bis Gärtner mit dem grünen Daumen.
Ich bin gespannt, was Tanja Kummer da noch rausholt. Meiner Meinung steckt in den “Gaben” noch mehr Potential.(Ich erinnere mich da gerne an die Reihe “Zauberer” von Michael Peinkofer).

Sprache:
Der Roman ist sehr eindringlich geschrieben und packte mich beim Lesen emotional. Für mich inzwischen ein Markenzeichen der Autoren: das Glaubhaftmachen von Emotionen.

Fazit:
Spannende Geschichte, der man ihren episodenhaften Charakter anmerkt (Teil einer Reihe!). Kurzweilig zu lesen und mit mehreren Aha-Effekten.

Drachenmahr – Robert Corvus – Fantasyroman – Piper

In Drachenmahr begleiten wir die junge Gardistin Zarria Machon bei der Aufklärung eines Mordes. Schon bald führt uns die Geschichte in die Mühlen der Macht und in die Intrigen der Mächtigen einer Stadt.

Meine Videorezension zum Buch:

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Welt:
Die Geschichte spielt in der Stadt Koda, die von sieben mächtigen Häusern gelenkt wird und vom leidenden Land umgeben ist. Dieses Sumpfgebiet beherbergt stöhende Geister und isoliert die Stadt vollkommen. Niemand weiß, was hinter dem leidenden Land liegt und was es mit den Geistern auf sich hat.
Der religiöse HERR der Stadt ist der DRACHE, der in einer mächtigen Kathedrale über der Stadt von der Drachenmeisterin in Ketten gehalten wird.
Die weltliche Macht über die Geschicke der Bewohner halten die hohen Häuser, allen voran das Haus Rubinsteyn, in ihren Händen. Der Alltag in der Stadt wird durch die Machtkämpfe zwischen den hohen Häusern und ihren Intrigen bestimmt.

Charaktere:
Wir erleben die Geschichte durch das Auge (!) von Zarria Machon, einer 18jährigen Frau, die vor kurzem zur Stadtgardistin ernannt worden ist. Ihre Familie, allen voran ihr Vater, ist nicht begeistert von ihrer Wahl. Denn Zarria ist eine Machon, ein Mitglied eines der hohen Häuser, und ihre Aufgabe wäre doch vielmehr, günstig zu heiraten, um den Stand ihrer Familie zu erhöhen.

Handlung:
Die Geister, die das leidende Land um die Stadt bevölkern, beginnen damit, Menschen anzugreifen. Niemand kann sich erklären, was dahinter steckt, da niemand weiß, woher die Geister stammen.
Zur gleichen Zeit gibt es einen Mord an Gerro Rubinsteyn, dem Obristen der Drachengarde.
Am Anfang des Romans wird Zarrias Mördersuche beschrieben und man wähnt sich schon in einem Krimi mit Fantasysetting.
Doch dann erscheinen religiöse Motive auf der Bühne und die Geschichte dreht sich komplett in eine andere Richtung.
Was haben die Mönche mit dem Mord zu tun? Was wissen sie über das Symbol des Kreuzes, das sich auf der Mordwaffe findet und das niemand in der Stadt mehr kennt?
Zarria entdeckt, was wirklich hinter den Vorgängen in der Stadt steckt, und vor allem erkennt sie, was wirklich in ihr selbst steckt.

Sprache:
Der Roman ist in der 1. Person verfasst und zeigt uns die Gedanken von Zarria Machon.
Die 1. Person ist für Fantasyromane eher selten, hier passt sie jedoch sehr gut hin.
Auf mich wirkten die Gedankengänge im Text manchmal ein wenig sprunghaft, sodass ich Probleme hatte, der Handlung und Zarrias Gedanken immer einhundert Prozent zu folgen.

Fazit:
Drachenmahr ist ein faszinierendes Werk mit einer grandiosen und düsteren Weltidee und einer guten Umsetzung derselben. Besonders gelungen: Die Verbindung zum Christentum als “untergegangene” Religion.
Lohnt sich zu lesen!

Kasloti Parapa Olg!

Es ist immer wieder faszinierend, auf welch unterschiedliche Arten ein Autor sein Buch einteilen kann. Oft erzählen die Kapitelnamen selbst schon kleine Geschichten. Oder es finden sich am Anfang eines Abschnitts kurze Gedichte oder Zitate, die die Stimmung des Romans vertiefen.

Manchmal kann die Kreativität eines Autors aber auch aus dem Ruder laufen. Dann wird es lästig!
So ging es mir zum Beispiel mit der Fantasy-Reihe Zauberer von Michael Peinkofer (Piper). Alle Kapitel tragen Überschriften, die direkt aus dem Elfischen stammen. So finden sich Zeilen wie: TROBWYN DORWA oder GELAN CARRYG FARUN.
Natürlich enthält das Buch ein elfisches Wörterverzeichnis im Anhang.So könnte man jedes Wort dort nachschlagen und die Überschrift langsam dechiffrieren. Doch wer will das schon?
Ich als Leser will sofort weitereilen, um zu erfahren, was der Bösewicht als nächstes anstellt, und nicht nach hinten Blättern und eine Textaufgabe des Autors übersetzen.
Natürlich verbreiten die »original« elfischen Kapitelüberschriften ein gewisses Flair, doch hat die Idee bei mir nicht funktioniert. Schon nach den ersten hundert Seiten war ich genervt über diese Art Rätsel. Insgeheim wollte ich ja trotzdem wissen, wie das Kapitel hieß, hatte aber keine Lust im Anhang nachzuschlagen.

Ein weiteres Beispiel für eine kreative Idee, die mich als Leser mehr verwirrt und geärgert als erfreut hat, drängt sich aus gegebenem Anlass auf.
In dem Buch Dinopark von Michael Crichton (Knaur; inzwischen als Jurassic Park im Heyne Verlag; und schon wieder ein Michael 🙂 ) werden einzelne Abschnitte des Buches durch geheimnisvolle, eckige Zeichen und noch merkwürdigere Zwischenüberschriften getrennt. Die Abschnitte werden als Iteration bezeichnet und von eins bis sieben durchnummeriert. Darunter finden sich unverständliche Zitate der Romanfigur Ian Malcom.

PapierIntroIteration

Schon damals hat mich diese komische Einteilung komplett aus dem Konzept des sonst so genialen Buches gerissen. Es hat mich geärgert, dass ich nicht verstanden habe, was Crichton mir damit sagen wollte. Hey, ich bin kein studierter Mathematiker!
So ganz verstanden habe ich die Bucheinteilung selbst heute noch nicht. Was soll denn nun die Sechste Iteration mit dem Fortgang der Geschichte zu tun haben?

Manchmal würde ich mir wünschen, diese Autoren wären bei der Einteilung ihrer großartigen Geschichten weniger kreativ gewesen. Doch dann würde uns auch all das andere Drumherum entgehen, bei dem wir sofort verstanden haben, wohin der Autor uns führen will. Und das wäre doch zu schade.

Immer genug Muße zum Lesen
und ärgert euch nicht über Autorenwillkür bei der Manuskriptgestaltung.

Euer Dominik Schmeller

Lesen macht gesund

Ein weiteres kurioses Fundstück ist das Sachbuch »Die Romantherapie« von Susan Elderkin und Ella Berthoud (Insel Verlag, 2013).
Wie in einem Lexikon wird in diesem Buch von A bis Z für allerlei Leiden der Menschheit eine Therapie vorgeschlagen. Und zwar besteht diese aus der Lektüre eines entsprechenden Romans.
Ich bin ja allgemein der Meinung, dass jeder viel mehr lesen sollte. Und wenn es jetzt auch noch gesund macht …!

Auf der Webseite http://www.romantherapie.de/ gibt es alle Infos zum Buch und auch einen Rezept-O-Mat, der bei einigen Wehwehchen schon mal hilft.

Beispielsweise kann man Angst vor Behördengängen durch die Lektüre von »Der Prozeß« (Franz Kafka) eindämmen und man heilt Daumenlutschen durch das Lesen von »Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation« (Michel Serres).

Natürlich glaube ich selbst nur bedingt an solche »Heilmethoden«. Zumindest körperliche Leiden wie Hämorrhoiden können sicher nicht, anders als versprochen, durch eine Lektüre von »Feuchtgebiete« (Charlotte Roche) geheilt werden.
Anders sieht das aber bei seelischen Leiden aus. Da könnte ich mir durchaus Hilfe durch einen bewegenden Roman vorstellen.

Immer genug Muße zum Lesen
und lest euch eure Sorgen weg.

Euer Dominik Schmeller

Gärtner oder Architekt

Manche machen es so, andere wollen es anders. Und es kann nicht schaden, wenn man weiß, wie man selbst es am liebsten macht.

Ich spreche von der Art, wie ein Autor seine Romane schreibt.
Für die beiden komplett verschiedenen Herangehensweisen gibt es zwei Begriffe, die ich sehr passend finde.

Die einen Autoren sind Gärtner. Sie beginnen mit dem ersten Satz und sehen dann, wohin sie ihre Geschichte bringt. Berühmte Beispiele dafür sind Stephen King oder George R.R. Martin.

Eine andere Art von Autoren sind Architekten. Bevor sie noch die erste Zeile einer Geschichte aufgeschrieben haben, haben sie schon seitenweise Charakterentwicklung und Plotplanung hinter sich.

Ich finde die Begriffe Gärtner und Architekt zwar sehr stimmungsvoll. Dennoch benutze ich selbst die Begriffe Bauchschreiber und Planer lieber, da sie die Vorgehensweise während des Schreibens am besten erfassen.

Beide Seiten haben Vorteile.
Der Bauchschreiber schreibt oft sehr emotional und zieht den Leser meist tief in seine Geschichte hinein, da er selbst sie mit seinem Leser zusammen entdeckt.
Der Planer hat eine größere Dichte an überraschenden Wendungen. Er schafft es meistens, dass am Ende des Romans alle Fäden zusammenkommen und der Leser ein Aha-Erlebnis hat.

Doch es gibt auch Nachteile.
Der Bauchschreiber krankt oft an losen Plotfäden, die er nicht zu einem befriedigenden Ende führen kann.
Der Planer kreiert Charaktere, denen das gewisse Etwas fehlt. Seine Welt erscheint nicht ganz so lebendig.

Es gibt natürlich auch Mischformen dieser Schreibschulen.
Für einen Autor ist es elementar wichtig, zu wissen, zu welcher Schreibart er eher tendiert. Denn nur so kann er wirklich produktiv sein.

Ich selbst habe schon immer viel lieber geplant, als aus dem Bauch heraus geschrieben.
Das habe ich mir selbst in einem Experiment eindrucksvoll bewiesen.
Im Herbst 2014 begann ich eine Geschichte, von der ich absolut nichts vorher geplant hatte. Ich wollte sie komplett aus dem Bauch heraus schreiben. Die Geschichte hat nach gut einem halben Jahr an Arbeit ca. 120 Seiten vorzuweisen. Und das, was ich geschrieben habe, gefällt mir selbst nicht wirklich gut.
Im April 2015 hingegen habe ich mit dem Schreiben an einem geplanten Kurzroman begonnen. Um die 100 Seiten dieser Geschichte zu schreiben, habe ich gerade einmal 14 Tage gebraucht.

Mein Fazit: Ich persönlich kann viel effektiver schreiben, wenn ich einen konkreten Plan vor mir habe. Jeden Tag werfe ich einen Blick in meinen Szenenplan und weiß ganz genau, was heute dran ist.

Manche beschweren sich darüber, dass ihnen auf diese Weise die Kreativität fehle, sie fühlen sich eingeschnürt. Doch für mich ist das nur zum Teil wahr. Auf der einen Seite kann ich mir während der Planungsphase so viel Freiheit nehmen, wie ich will. Auf der anderen Seite arbeite ich meinen Szenenplan zwar recht detailliert aus, es gibt aber immer noch jede Menge Dinge, die ich erst während des Schreibens festlege und die ich damit auch »schreibend entdecken« kann.

Für mich persönlich funktioniert das Schreiben aus dem Bauch heraus nicht. Zumindest nicht effektiv.
Auch wenn viele Bestseller Autoren genau diese Art zu schreiben praktizieren.
Es gibt aber auch andere. Ein Beispiel ist Brandon Sanderson. Der bekennende Planer schreibt Romane, die sich weltweit bestens verkaufen.

Immer genug Muße zum Lesen
und plant Kathedralen oder beackert den wilden Garten darum herum.

Euer Dominik Schmeller

Die gute alte Zeit

Viele Autoren leiden darunter: Sie wollen schreiben, aber ständig fliegen neue Nachrichten in die Mailbox und man muss schließlich via Facebook auf dem Laufenden bleiben, sodass sich der größte Teil der Zeit am Rechner ins soziale Nirvana verabschiedet.

Um dieses Problem zu lösen, habe ich etwas Lustiges im Netz gefunden, dass ich euch nicht vorenthalten will: eine Schreibmaschine aus dem 21. Jahrhundert.In einer Crowdfunding-Kampagne wurden 340 Tausend Dollar für diese Idee gesammelt und nun ist sie da, die Hemingwrite.

Eine Schreibmaschine komplett ohne allen Schnickschnack (na gut, soweit ich das mitbekommen habe, besitzt sie doch einige Extra-Funktionen).
Die Homepage des flinken Schreibers findet ihr hier: https://hemingwrite.com/

Ein Video, in dem die Hemingwrite benutzt wird, um ein Drehbuch zu schreiben, seht ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=QU8hc9yqA9Y

Das gute Stück kostet im Moment noch 399$ und wird ab Erscheinungsdatum auf 499$ ansteigen.
Eine gute Stange Geld. Doch geht einem Schreiber mit der Hemingwrite sicher keine Seite mehr verloren. Die Hemingwrite speichert quasi in Echtzeit alle Dokumente in einem Clowdspeicher, den man auch z.B. mit seinem Google-Konto verbinden kann. Zusätzlich kann man sie auch mit einem Drucker vernetzen.

Wer sich jetzt fragt, ob es die Hemingwrite aus Amerika auch zu uns nach Deutschland schafft, dem kann ich sagen: klar.
Die Designer versenden weltweit und auch für das Problem der unterschiedlichen Sprachen haben sie sich etwas ausgedacht. Die Hemingwrite kann ihre Tastatur vielen gängigen Sprachen (darunter auch Deutsch; also ä ü ö und ß) anpassen. Die Beschriftung der Tasten ändert sich zwar leider nicht, dies kann aber – laut Entwickler – durch ein Set Aufkleber für rund 5€ gelöst werden. Die meisten stört es vielleicht noch nicht einmal, wenn die Tastatur nicht »richtig« beschriftet ist.

Also ich finde die Geschichte schon cool. Doch bin ich mir nicht sicher, ob das Gerät etwas für mich ist. Immerhin tendiere ich schon während des Schreibens dazu, meine Texte ein kleines Bisschen zu redigieren. Teilweise bessere ich Sätze direkt, nachdem ich sie geschrieben habe, aus, wenn sie mir nicht mehr gefallen.
Noch bin ich skeptisch, wie gut das auf der Hemingwrite funktioniert.
Doch, ehrlich gesagt, würde es mich direkt reizen, es auf einen Versuch ankommen zu lassen.

Was haltet ihr denn von der Schreibmaschine Marke 21. Jahrhundert? Kommt so etwas für euch in Frage?

Immer genug Muße zum Lesen
und schreibt! Egal worauf.

Euer Dominik Schmeller

Mach’s (ver-)besser

Heute möchte ich mit euch über einen weiteren Artikel in der neuen Federwelt (Ausgabe 111; April/Mai 2015) sprechen. Diesmal geht es um Überarbeitungen, und wie man als Autor immer besser wird (meint zumindest Simon André Kledtke, der Verfasser des Artikels »Von Mal zu Mal besser – Schreiben als Entwicklungsprozess«)

Der Grundgedanke des Artikels des jungen Autors dreht sich um die Idee, dass Schriftsteller mit der Zeit immer besser werden. Kledtke hat dies an sich selbst entdeckt, als er Passagen aus seinem im August 2013 erschienenen Erstlingswerk »SARANIA – Das Vermächtnis der Magier (UBV)« für eine Lesung aufbereitet hat.
Er fand, die Passagen waren lange nicht mehr das Beste, das er zu bieten hatte. Also schrieb er einige Stellen vor der Lesung kurzerhand um.

[An dieser Stelle fragte ich mich beim Lesen des Artikels, ob das dann nicht auch eine Art von Vorspiegelung falscher Tatsachen ist. Dem Zuhörer wird ein Inhalt des Romans suggeriert, der so gar nicht existiert. Sollte man solche Änderungen also nicht nur im Vorlesemanuskript, sondern auch im Buch selbst machen? Als 2. überarbeitete Neufassung? Was würdet ihr sagen?]

Kledtke hat insgesamt sechs Baustellen angesprochen, bei denen er besonders Hand anlegen musste:

1) Adjektive und Adverbien
Hier geht es vor allem um das Lichten des Beiwortdschungels. Weniger ist mehr.
→ Streichen!

2) Doppelungen
Von Kledtke »Doppelmoppler« genannte Wortgebilde sollen gefälligst aus dem Text verschwinden und ihn nicht aufblähen: »Einzig und allein« oder »stillschweigend«, aber auch länger: »Köcher, in denen sich ihre Pfeile befanden« (was sonst).
→ Ausmerzen!

3) Konkrete Bilder
Einerseits: Show don’t tell.
Andererseits auch: Reiß die Bäume aus dem Wald, pflanz lieber Tannen, Fichten und Buchen rein.
→ beim Namen nennen!

4) Floskeln
Abgegriffene Metaphern und Redewendungen mit Bart erkennen und ändern: Schluss mit einem Herz aus Gold oder mit allen Wassern gewaschen.
→ frische Bilder verwenden!

5) Satzkonstruktionen
Zu komplizierte Sätze stören im Lesefluss. Der Leser will kein Roman-Yoga machen, sondern mit einem Blick erfassen, was Wesentliches im Satz geschieht.
→ Weg mit den umständlichen Schachteln!

6) Dialoge
Hier wird es logisch, aber schwierig (und anstrengend für Autoren). Gib deinen Figuren eine eigene Sprache (Halt: ich will hier niemanden dazu ermutigen, ein neues Elbisch zu erfinden! Die von Tolkien und Peinkofer reichen).
Jeder Charakter bzw. jedes (Fantasy-)Volk oder jede (SciFi-)Rasse sollte eine eigene Art zu sprechen haben.
→ Labertaschen stoppen!

Wie sieht das bei euch aus? Lest ihr eure eigenen Texte überhaupt nochmal, nachdem sie veröffentlicht worden sind, oder habt ihr sie aus eurem Blickfeld verbannt? Und wenn ihr sie erneut lest, könnt ihr dann auch nicht vom Rotstift lassen?

Immer genug Muße zum Lesen
und werdet besser – von Wort zu Wort.

Euer Dominik Schmeller

Mein erstes Mal

Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Es ist passiert. Das, was ich mir schon so lange herbeisehne.
Nicht dass es einfach so geschehen ist. Dahinter steckt ein ewiges Bezirzen und Umgarnen.

Die Rede ist von meiner ersten Unterschrift unter einen Verlagsvertrag.
Es ist also so weit: Ich darf mich offiziell Autor nennen.
Ist das Gefühl so, wie ich es mir erwartet habe? Aber klar. Und eigentlich sogar noch besser.

Die Geschichte, von der ich nach langer Suche endlich einen Verlag überzeugen konnte, habe ich schon im Sommer 2008 begonnen.
Ich hatte gerade mein Diplom in der Tasche, war auf der Suche nach neuen Herausforderungen, wie man so schön sagt, und hatte endlich mal wieder Zeit fürs Schreiben. Da ich als Student immer knapp bei Kasse war, begann die Idee eigentlich in Form einer Kurzgeschichte, gedacht als Weihnachtsgeschenk für die Familie.

Aus der Kurzgeschichte wurde nach Monaten der Arbeit (Weihnachten war schon lange vorbei) schließlich ein Roman.
Doch das war es noch nicht mit der Textarbeit. Es folgten mehrere Überarbeitungen, dann lasen einige Testleser das Manuskript, auf ihre Gedanken hin wurde wieder überarbeitet.
Ich nahm sogar Stefan Waldscheidts Angebot des Exposé-Checks in Anspruch und ließ den Schreibratgeber-Papst persönlich meinen Plot unter die Lupe nehmen (mit teilweise desaströsem, aber auch sehr konstruktivem Ergebnis).

Dann war es endlich so weit und ich traute mich mit der Geschichte an die Öffentlichkeit. Jedenfalls fühlte ich mich bereit, sie Literaturagenturen anzubieten.
Die Resonanz war, wie erwartet, nicht gerade überschäumend begeistert. Doch zumindest eine Agentur fand Gefallen an Leseprobe und Exposé und forderte das gesamte Manuskript an. Mensch, war ich stolz!
Leider trudelte dann etwas später auch von dieser Agentur eine Absage ein, weil die Geschichte nicht ganz überzeugen konnte. Enttäuschend, aber ich hatte Blut geleckt.

Fleißig habe ich das Manuskript über die nächsten Monate und Jahre hinweg immer wieder an größere und kleinere Verlage geschickt.
Manche zeigten sich interessiert, forderten sogar das Manuskript an, doch zur Zusammenarbeit kam es leider nie.

Diese Ära des Hoffens und Wartens ist nun zu Ende. Ich kann es gar nicht glauben, dass ich den Verlagsvertrag zu meinem Roman wirklich unterschrieben habe. Immer wieder denke ich: Jetzt macht der Verlag gleich einen Rückzieher, jetzt kommt raus, dass es doch nicht klappt.

Aber bisher ist nichts geschehen und wir arbeiten gerade zusammen an der Gestaltung des Covers.
Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis meine Geschichte erscheint und wirklich von Lesern erlebt werden kann.
Was für eine Freude!

Immer genug Muße zum Lesen und schickt mir gerne Blumen.

Euer Dominik Schmeller