Kalypto- Die Herren der Wälder – Tom Jacuba – Fantasyroman

In Kalypto – die Herren der Wälder von Tom Jacuba entsteht vor uns eine reichhaltige Welt, dicht geschildert und liebevoll gestaltet. Wir begleiten drei Charaktere. Drei Charaktere mit völlig unterschiedlichen Motiven. Was geschieht, wenn sie aufeinandertreffen? Wird die Welt, wie sie ist, zerstört? Oder entsteht etwas völlig Neues und Wundervolles?

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=cGJKbMJWq_Q

Handlung
Die alte Zivilisation Kalypto erwacht nach sehr, sehr langem Schlaf.
Die Welt hat sich verändert. Die Magierin Catolis bekommt den Auftrag, zusammen mit weiteren Magiern im Verborgenen herauszufinden, welche Völker nun auf dieser Welt leben und welches von ihnen am besten geeignet ist, dem 2. Reich Kalypto zu dienen.
Weiterhin wird das Leben von zwei Menschen in diesen neuen Völkern beschrieben: Lasnic und Ayrin.
Lasnic gehört zu den Waldmenschen und muss, nach einer sehr ungewöhnlichen und rauen Kindheit, mit seinem Leben im Waldreich zurecht kommen.
Ayrin hatte ebenfalls eine schwere Kindheit. Sie wurde sehr früh Königin, da ihre Mutter auf mysteriöse Weise verstorben ist. Nun muss sie ihre Stellung im Bergkönigreich Garona behaupten und ihren Hass überwinden, den sie gegen ihre kleine Schwester Lauka spürt.

Mir fällt es schwer, die Handlung zusammenzufassen. Ich hatte schon beim Lesen das Problem, dass mir irgendwie der Drive im Buch gefehlt hat. Der Leser weiß nicht immer, wohin die Reise gehen soll. Das kann gut und spannend sein. Hier war es mir aber zu viel und ich war eher verwirrt, anstatt gespannt.

Charaktere
Catolis ist die Drahtzieherin hinter allem. Sie stößt die Suche nach den Völkern an und dirigiert alles aus dem Hintergrund. Sie hat immer alles im Griff und wirkt völlig von sich überzeugt.
Lasnic ist ein Waldmensch. Der Charakter blieb für mich leider bis zum Schluss des Buches recht unsympathisch, auch wenn er sich in den letzten Zügen noch gebessert hat. Lasnic flucht gerne und ist ein Weiberheld.
Ayrin spürt schon früh das Gewicht des ganzen Bergkönigreiches auf ihren Schultern (und das ist massiv). Die Garonesen sind ein hartes und raues Volk und so ist es teilweise auch ihre Königin. Ich konnte ihre Gefühle teils recht gut nachvollziehen, streckenweise aber auch gar nicht. Als Charakter ist Ayrin ziemlich schwer greifbar. Ich hätte mir gewünscht, sie hätte ihren Willen mehr durchgesetzt und hätte sich nicht von den »Älteren« so vieles vorschreiben lassen. Aber auch dies mag eine Eigenart der Garonesen sein, passen würde es zu diesem Volk.

Welt
Das Besondere an diesem Buch ist auf jeden Fall die Welt, die der Autor Tom Jacuba hier erschaffen hat. Es gibt viele verschiedene Reiche, alle mit einem eigenen Volk belebt, das eigene Gedanken, eine eigene Sprache, Sitten und Lebensweise hat.
Auf jeder Buchseite atmen diese Völker in ihrem eigenen Takt. Man muss nur einen Satz lesen und weiß sofort, wo in der Welt man sich gerade aufhält.
Dies wird unterstützt durch die vielen Wortneuschöpfungen, die der Autor in diesem Buch getätigt hat. Jedes Volk hat eine ganz eigene Art, die Dinge zu betrachten. So sprechen die Waldmenschen beispielsweise nicht von König und Graf, sondern von Waldfürst und Eichgraf. Schartan ist der Teufel und »ins Vorjahrslaub fallen« heißt sterben.
Sosehr diese sprachliche Eigenart der Völker einen in den Roman zieht, sosehr kann sie auch den Leser verwirren. Dadurch verliert die Lektüre an Spannung.
Das Buch wandert auf dem schmalen Grat zwischen »toll detailreich« und »zu detailreich, ich bin verwirrt«.
Dazu kommt noch, dass es sehr viele Namen im Roman gibt. Leider ist es mir beim Lesen nicht gelungen, alle Namen immer parat zu haben, sodass ich einige Passagen  nicht gleich verstanden habe. Auch dies ein Problem für die Spannung.
Andererseits muss das bei einer so reichen Welt eben sein. Und es gehört zur Fantasy irgendwie ja auch dazu.
Ein Namensglossar wäre hier vielleicht nicht schlecht gewesen.

Sprache
Die Wortwahl des Autors ist passend auf jedes Volk zugeschnitten. Die Sprache lässt sich flüssig lesen und sie ist nicht zu poetisch.
Etwas merkwürdig wirkte auf mich, dass Lasnic von seinem Vater immer nur als »Vogler« spricht. Das scheint sehr distanziert und ebenso wirkte der Charakter dann auf mich als Leser.

Fazit
Ein gutes Buch, dessen Handlung manchmal ein bisschen ziellos wirkt und das durch den extremen Reichtum an Details fast schon verwirrt.
Ob ich den zweiten Teil lesen will, weiß ich jedoch noch nicht.

Immer genug Muße zum Lesen
Euer Dominik Schmeller

Hier klicken für die Verlagsseite des Romans!

Das eherne Buch – Christian von Aster – Fantasyroman

Eine Klinge, die das Zeug dazu hat, die Welt vom Krieg zu befreien? Zu schön, um wahr zu sein?

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=rl2K8SpN0WE

Der junge Jaarn lebt in einem Hort der Bücher. Von der kriegerischen und gefährlichen Welt um ihn herum bekommt er nur wenig mit.
Doch eines Tages erfährt er, dass er der Erbe eines der großen Fürsten ist und eine Aufgabe zu erfüllen hat, die, wenn sie nur gelingt, der ganzen Welt endlich Frieden bringen würde. Eine abenteuerliche Reise beginnt und schon bald steht Jaarns Welt kopf.

Der Roman »Das eherne Buch« scheint eine klassische Geschichte zu erzählen. Das Motiv – die Heldenreise – wird aber durch zahllose Plotttwists aufgebrochen. Beim Lesen erschien es mir fast so, als wollte der Autor mit aller Macht verhindern, zu vorhersehbar zu werden.
Doch genau das ist auch eines der größten Probleme, die ich mit dem Buch hatte. Die Geschichte und auch die Charaktere beginnen klar und man kann allem folgen. Doch nach dem ersten Viertel des Buches beginnt es, durcheinanderzugeraten, sodass es mir schwerfiel, mit der Handlung mitzufiebern.
Außerdem tragen viele Figuren in dem Buch nicht nur einen Namen, sondern besitzen einen oder gar mehrere Spitznamen, die genauso häufig bei der Beschreibung und Anrede verwendet werden. Gerade in einem Fantasybuch haben Leser ja öfter mal Probleme mit den unterschiedlichen Namen der Figuren. Mit den zahlreichen Spitznamen hat der Autor der Geschichte, meiner Meinung nach, keinen Gefallen getan. Mich jedenfalls haben die verschiedenen Namen verwirrt.
Eines der größten Probleme war in meinen Augen, dass Jaarn als Protagonist zu passiv blieb. Als Leser möchte ich mit den Charakteren mitfiebern. Natürlich agiert der Protagonist gerade in den ersten Teilen einer Geschichte oft passiv. Doch Jaarn blieb dies im »ehernen Buch« bis zum Schluss.

Insgesamt ein Roman, der die große Fantasie des Autors zeigt, doch mich gleichzeitig mit seinem Aufbau nicht recht überzeugen konnte.

Skargat – Daniel Illger – Fantasyroman

In Skargat von Daniel Illger tauchen wir ein in eine bittere Welt der Menschen, die zugleich von der Welt der Geister durchdrungen wird. Welche Regeln gelten für wen? Kann man einen Toten erwecken? Und kann man einen Geist töten?

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=A-u3kenDerA

Handlung
Der junge Mykar wird in seinem Dorf von allen misshandelt. Nur Cay stellt sich auf seine Seite und wird sein Freund. Als Cays Verlobte ermordet wird, fällt der Verdacht auf Mykar. Der Junge wird von den aufgebrachten Dörflern erschlagen, stirbt aber nicht wirklich, sondern lebt im Wald in einer Art Totenschlaf weiter.
Jahre später erfährt Mykar, dass Cay wegen des Mordes an einem Adeligen verhaftet worden ist. Er möchte unbedingt die Unschuld des Mannes beweisen, der als Einziger in dieser Welt gut zu ihm gewesen ist. Dazu findet er bald die Unterstützung des abgehalfterten Adligen Justinius, dessen größenwahnsinniger Magd und der geheimnisvollen Vanice.

Charaktere
Die Charakteres dieser Geschichte sind unglaublich schillernd und unverwechselbar gestaltet. Alleine die Magd Scara, die sich in allen Belangen über ihren Herrn Justinius stellt und ihn bei jeder Gelegenheit maßregelt, ist einfach zu köstlich.
Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben, und da der Roman in der 1. Person geschrieben ist, taucht der Leser sehr tief in die Gefühle und Gedanken dieser Personen ein. Immer ein sehr packendes, aber nicht immer ein angenehmes Erlebnis.

Welt
Die Welt, die Daniel Illger entwickelt, scheint riesig zu sein (zumindest versprechen das zahlreiche Andeutungen im Roman und die Karte am Ende des Buches).
Dennoch spielt Skargat in einem kleinen Teil dieser Welt. Außer einigen Nebenschauplätzen spielt die Geschichte größtenteils in einer Stadt, der Perle. Besonders beeindruckt hat mich die Totenstadt, die sich dort, als Relikt einer untergegangenen Zeit, über eine große Fläche erstreckt.
Das Besondere an diesem Roman ist sicherlich die Geisterwelt, die parallel zur Welt der Menschen zu existieren scheint und die wir im Laufe der Handlung immer mehr entdecken.

Sprache
Der Roman ist in der 1. Person geschrieben, wobei sich die Perspektive nicht nur an einer Person aufhält, sondern insgesamt drei Personen aus ihrer Sicht abwechselnd erzählen: Mykar, Justinius und Vanice.
Die Sprache des Romans ist in weiten Teilen sehr beeindruckend. Ganz besonders sticht die Sprache des Ich-Erzählers Justinius heraus. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht stellenweise sehr derb. Doch es macht unglaublichen Spaß ihm zuzuhören.
Besonders gefallen haben mir auch die Namen, die Daniel Illger seinen Charakteren gegeben hat. In Justinius klingt schon die Gerechtigkeit mit, gleichzeitig zeugt es von Adel. Vanice hört sich für mich nach der englischen Form von Venedig an (morbides Flair) und erinnert gleichzeitig ein bisschen an die Südstaaten der USA. Scara schließlich hört sich ein bisschen wie der Laut einer respektlosen Krähe an und der teuflische Skargat schwingt darin mit.

Fazit
Tolles Buch mit grandioser Stimmung. Am Ende bleiben so viele Geheimnisse, dass ich ganz gespannt auf einen zweiten Teil bin.

Hinter dem Tor – Martin S. Burkhardt – Fantasyroman

In »Hinter dem Tor« folgen wir der jungen Lara durch ein Tor in ihrem Internat und betreten die Welt Alea. Die Geschichte beginnt mit einem Klischee und bleibt leider leblos.

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=bZXoZTy99fA

Welt:
Die Welt Alea – eine Parallelwelt zu unserer Erde – ist vollkommen mit Wald bewachsen. Alles Interessante scheint sich in der riesigen Stadt Alea abzuspielen, die jedoch von Soldaten drangsaliert wird. Diese Schutztruppen sind eigentlich dazu da, die Menschen in der Stadt vor den Gefahren aus dem Wald zu schützen. Doch einerseits scheinen diese Gefahren kaum zu existieren und andererseits leiden die Bewohner von Alea mehr unter der Herrschaft durch die Soldaten, als durch die Gefahr von außen.
In diese Welt stolpert die 14-jährige Internatsschülerin Lara. Ist sie auserkoren, die Retterin dieser Welt zu sein? Aber natürlich …
Hier wird auch gleich das erste Problem des Buches klar: Vieles entstammt Klischees oder ist zu vorhersehbar.
Der Grund dafür, dass Lara überhaupt auf das wundersame Internat geschickt wird, ist die Scheidung ihrer Eltern. Zu allem Überfluss spielt aber weder die Scheidung noch einer der beiden Eltern im weiteren Buch eine Rolle. Warum also, wird uns von der Scheidung überhaupt erzählt? Soll es den Charakter von Lara verdeutlichen? Wenn ja, warum denkt dann Lara kein einziges Mal später an diese dramatische Scheidung?
Dies ist nur ein Beispiel für viele Punkte, die in diesem Buch ähnlich gehandhabt werden. Alles wird immer dann aus dem Ärmel geschüttelt, wenn es gerade nötig ist. Doch nichts hat wirklich Einfluss, kein Ereignis scheint von dauerhafter Relevanz zu sein.

Charaktere:
Die Personen, allen voran die Hauptperson Lara (ebenfalls die einzige POV), bleiben leider sehr flach. Nichts bindet den Leser emotional an die Figuren. Leider schafft es der Roman nicht, die Gefahren, die die Charaktere durchstehen müssen, wirklich aufregend und relevant zu schildern. Nicht einmal die Charaktere selbst scheinen wirklichen Anteil an dem Geschehen zu haben. So wirken die Hauptcharaktere nach dem großen Finale so, als kämen sie gerade von einer Teeparty.
Zitat einer der Figuren: »Das war ja viel besser, als ich erwartet habe«, sagte er zufrieden.

Handlung:
Die Verbindung der Erde mit Alea durch ein Tor im Internat ist eigentlich völlig austauschbar. Für die Geschichte ist es vollkommen ohne Belang, ob Lara von der Erde kommt oder nicht. Für die Lösung des letzten Konflikts greift die Geschichte sogar auf die Erklärung zurück, dass Laras Vorfahren vielleicht einmal aus Alea stammten.
Richtig unglaubwürdig wird es, als Lara dieses Tor nach Alea entdeckt. Es steckt in einem Raum am Ende eines für jeden zugänglichen (lediglich für Schüler verbotenen) Ganges. Der Zugang zu diesem Raum ist unverschlossen und das Tor, das wie ein Garagentor geformt ist, lässt sich einfach öffnen, wenn man einen roten Knopf drückt.
Ist ja nicht so, dass ein Tor in eine andere Dimension hier auf der Erde so viel wert wäre, dass dafür Kriege ohne Ende geführt würden …
Die Erzählstimme des Romans wirkt sehr kindlich und damit für einen erwachsenen Leser etwas naiv, wohingegen die Handlung stellenweise ganz schön brutal wird. Von der Intensität liest es sich wie ein Kinderbuch, von der Handlung will es ein Buch für Erwachsene sein. Deshalb passt es für keinen von beiden.

Sprache:
Leider ist die Erzählweise platt und konnte mich beim Lesen überhaupt nicht packen. Vor allem hat mich gestört, dass offenbar nicht genug Mühe darauf verwendet wurde, treffend zu formulieren. Detailarmut und Substantivismus lassen die Sprache unhandlich und lieblos erscheinen.

Fazit:
Leider eine leblose Geschichte, die mich nicht packen konnte.
Einen Stern extra gibt es nur für die Handvoll spannender Ideen, die der Autor eingebaut hat. So fand ich das Waldwasser und die Raubwehre ganz cool (siehe meine Videorezension).

Die Stunde der Helden – Jörg Benne – Fantasyroman

Im Roman “Die Stunde der Helden” geht es genau darum: um Helden. Eigentlich geht es um den Barden und Poeten Felahar, der durch die wilden Nordlande zieht und erst allmählich erkennt, aus welchem Holz manchen Helden wirklich geschnitzt sind.

Meine Videorezenion zum Buch:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=WGP_3oKZIw0

Welt:
Die Welt Nuareth, die Jörg Benne in diesem Roman ausbaut, scheint mir sehr gut durchdacht zu sein. Diese Geschichte spielt in den rauen Nordlanden. Besonders aufgefallen ist mir hier, wie detailverliebt der Autor die Siedlungen der Gegend beschreibt. Jede von ihnen scheint eine eigene Seele zu haben. Besonders rausgestochen hat für mich Velnshöh, eine Bergbausiedlung mit herrlich versnobbten Minenbesitzern.

Charaktere:
Die Hauptcharaktere sind ausführlich entwickelt. In kurzen, eingestreuten Rückblenden wird der Hintergrund der drei Helden Dalagar, Wim und Huk beleuchtet, die der Ich-Erzähler Felahar begleitet, um ihre Abenteuer aufzuschreiben.
Gerade diese drei Helden zeigen in vielen Punkten starke Klischees. Der schöne Kämpfer, der jeder Frau hinterhersteigt, der tumbe Hüne und der garstige Zwerg. Trotzdem gelingt es dem Autor einige Details einzubauen, die das Klischee der Helden aufbrechen und sie so einzigartig machen. Beispielsweise trägt der schöne Schwertkämpfer eine Augenklappe.
In “Die Stunde der Helden” tauchen viele Nebenfiguren auf, die leider nicht alle überzeugen können. Dies liegt vor allem daran, dass die Tiefe fehlt und sie beim Lesen nicht genug Herz wachsen.

Handlung:
Die Handlung folgt der Reise der Helden durch die Nordlande. Dadurch wechseln nicht nur die Orte, sondern auch die Feinde der Helden ziemlich rasant. Dies führt dazu, dass sich ein Gesamtbild nicht einstellen will. Der Geschichte fehlt das Gefühl eine “runde Sache” zu sein. Es wirkt mehr, wie mehrere Abenteuer, die hintereinander erzählt werden.
Doch die beschriebenen Abenteuer sind flott erzählt und sehr spannend. Ich denke, dieses Konzept der Abenteuerreise ist vom Autor so gewollt. Für mich fehlt dadurch aber das große “Aha” im Roman.

Sprache:
Ich muss mich vor Jörg Benne verbeugen. Ihm gelingt es an vielen Stellen des Romans, die Emotionen der Figuren grandios rüberzubringen. Und das, obwohl die eine oder andere Situation wirklich krass ist. Hut ab.
Auch das Finale ist sprachlich eindeutig einer der Höhepunkte der Geschichte. Nicht nur spannend, sondern auch präzise komponiert.

Fazit:
Ein rundweg gelungener Low Fantasy-Roman ohne Magie aber viel Kraft und Emotion. Freunde von gut durchdachten Welten werden bei Jörg Benne sicher ihre Freude finden.
Ich hatte viel Spaß beim Lesen.

1497 – Rupes Picarum – Hexenmeister Jakob Wolff – Mystery-Roman

In dieser Episode der Reihe “Hexenmeister Jakob Wolff” von Tanja Kummer (inzwischen die dritte aus der Feder der Autorin und die dritte Episode der Reihe, chronologisch gesehen), wird Jakob vor Probleme gestellt, die unmöglich und vor allem auch unlösbar zu sein scheinen.

Meine Videorezension zum Buch:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=0oNblqghbIM

Handlung:
Die Episode “1497 – Rupes Picarum” spinnt die Geschichte von Jakob und Lilo weiter.
Zunächst wird der Leser in einen Strudel der Verwirrung geworfen und versteht erst allmählich, dass die Wiederholungen am Anfang des Romans (die ersten 10 Kapitel heißen alle gleich!) beabsichtigt sind. Jakob befindet sich nämlich in einer Art Zeitschleife und es scheint gar nicht so einfach, dort wieder herauszukommen.
Im Mittelteil des Buches bekommt es Jakob dann mit einem Erz-Bösewicht zu tun, der unbesiegbar erscheint.
Zum Ende hin kümmert sich die Geschichte mehr um Jakobs Innenleben, denn schwere Entscheidungen stehen an und Jakob lässt sein bisheriges Leben Revue passieren.

Insgesamt gliedert sich das Buch in die oben genannten drei Teile. Diese sind von der Handlung her so unterschiedlich, dass es mir bei jedem Wechsel vorkam, als begänne ein komplett neuer Roman.

Charaktere:
Der Bösewicht der Geschichte ist wunderbar gelungen. Nicht nur abgrundtief böse, sondern auch ohne Reue und gefährlich, hat Tanja Kummer Jakobs Gegenspieler entworfen. Fragt sich nur, was da in späteren Episoden noch kommen soll. Wie soll da noch was draufgelegt werden?

Nicht so gut gefallen mir teilweise die “Gaben” einiger der Charaktere. Fast erscheinen sie willkürlich. Ich erinnere mich dabei an die Reizwortgeschichten aus der Schule, bei der man scheinbar wahllose Worte zu einer Geschichte verbinden sollte. Fast scheint es auch hier so. Wurden die “Gaben” der Charaktere zuerst ausgewählt und dann versucht diese irgendwie in die Geschichte einzubauen? Die Stärke der “Gaben” variiert auf alle Fälle sehr stark, von gottgleicher Zauberer bis Gärtner mit dem grünen Daumen.
Ich bin gespannt, was Tanja Kummer da noch rausholt. Meiner Meinung steckt in den “Gaben” noch mehr Potential.(Ich erinnere mich da gerne an die Reihe “Zauberer” von Michael Peinkofer).

Sprache:
Der Roman ist sehr eindringlich geschrieben und packte mich beim Lesen emotional. Für mich inzwischen ein Markenzeichen der Autoren: das Glaubhaftmachen von Emotionen.

Fazit:
Spannende Geschichte, der man ihren episodenhaften Charakter anmerkt (Teil einer Reihe!). Kurzweilig zu lesen und mit mehreren Aha-Effekten.

Drachenmahr – Robert Corvus – Fantasyroman – Piper

In Drachenmahr begleiten wir die junge Gardistin Zarria Machon bei der Aufklärung eines Mordes. Schon bald führt uns die Geschichte in die Mühlen der Macht und in die Intrigen der Mächtigen einer Stadt.

Meine Videorezension zum Buch:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ra8fEpDF2j0

Welt:
Die Geschichte spielt in der Stadt Koda, die von sieben mächtigen Häusern gelenkt wird und vom leidenden Land umgeben ist. Dieses Sumpfgebiet beherbergt stöhende Geister und isoliert die Stadt vollkommen. Niemand weiß, was hinter dem leidenden Land liegt und was es mit den Geistern auf sich hat.
Der religiöse HERR der Stadt ist der DRACHE, der in einer mächtigen Kathedrale über der Stadt von der Drachenmeisterin in Ketten gehalten wird.
Die weltliche Macht über die Geschicke der Bewohner halten die hohen Häuser, allen voran das Haus Rubinsteyn, in ihren Händen. Der Alltag in der Stadt wird durch die Machtkämpfe zwischen den hohen Häusern und ihren Intrigen bestimmt.

Charaktere:
Wir erleben die Geschichte durch das Auge (!) von Zarria Machon, einer 18jährigen Frau, die vor kurzem zur Stadtgardistin ernannt worden ist. Ihre Familie, allen voran ihr Vater, ist nicht begeistert von ihrer Wahl. Denn Zarria ist eine Machon, ein Mitglied eines der hohen Häuser, und ihre Aufgabe wäre doch vielmehr, günstig zu heiraten, um den Stand ihrer Familie zu erhöhen.

Handlung:
Die Geister, die das leidende Land um die Stadt bevölkern, beginnen damit, Menschen anzugreifen. Niemand kann sich erklären, was dahinter steckt, da niemand weiß, woher die Geister stammen.
Zur gleichen Zeit gibt es einen Mord an Gerro Rubinsteyn, dem Obristen der Drachengarde.
Am Anfang des Romans wird Zarrias Mördersuche beschrieben und man wähnt sich schon in einem Krimi mit Fantasysetting.
Doch dann erscheinen religiöse Motive auf der Bühne und die Geschichte dreht sich komplett in eine andere Richtung.
Was haben die Mönche mit dem Mord zu tun? Was wissen sie über das Symbol des Kreuzes, das sich auf der Mordwaffe findet und das niemand in der Stadt mehr kennt?
Zarria entdeckt, was wirklich hinter den Vorgängen in der Stadt steckt, und vor allem erkennt sie, was wirklich in ihr selbst steckt.

Sprache:
Der Roman ist in der 1. Person verfasst und zeigt uns die Gedanken von Zarria Machon.
Die 1. Person ist für Fantasyromane eher selten, hier passt sie jedoch sehr gut hin.
Auf mich wirkten die Gedankengänge im Text manchmal ein wenig sprunghaft, sodass ich Probleme hatte, der Handlung und Zarrias Gedanken immer einhundert Prozent zu folgen.

Fazit:
Drachenmahr ist ein faszinierendes Werk mit einer grandiosen und düsteren Weltidee und einer guten Umsetzung derselben. Besonders gelungen: Die Verbindung zum Christentum als “untergegangene” Religion.
Lohnt sich zu lesen!

Kasloti Parapa Olg!

Es ist immer wieder faszinierend, auf welch unterschiedliche Arten ein Autor sein Buch einteilen kann. Oft erzählen die Kapitelnamen selbst schon kleine Geschichten. Oder es finden sich am Anfang eines Abschnitts kurze Gedichte oder Zitate, die die Stimmung des Romans vertiefen.

Manchmal kann die Kreativität eines Autors aber auch aus dem Ruder laufen. Dann wird es lästig!
So ging es mir zum Beispiel mit der Fantasy-Reihe Zauberer von Michael Peinkofer (Piper). Alle Kapitel tragen Überschriften, die direkt aus dem Elfischen stammen. So finden sich Zeilen wie: TROBWYN DORWA oder GELAN CARRYG FARUN.
Natürlich enthält das Buch ein elfisches Wörterverzeichnis im Anhang.So könnte man jedes Wort dort nachschlagen und die Überschrift langsam dechiffrieren. Doch wer will das schon?
Ich als Leser will sofort weitereilen, um zu erfahren, was der Bösewicht als nächstes anstellt, und nicht nach hinten Blättern und eine Textaufgabe des Autors übersetzen.
Natürlich verbreiten die »original« elfischen Kapitelüberschriften ein gewisses Flair, doch hat die Idee bei mir nicht funktioniert. Schon nach den ersten hundert Seiten war ich genervt über diese Art Rätsel. Insgeheim wollte ich ja trotzdem wissen, wie das Kapitel hieß, hatte aber keine Lust im Anhang nachzuschlagen.

Ein weiteres Beispiel für eine kreative Idee, die mich als Leser mehr verwirrt und geärgert als erfreut hat, drängt sich aus gegebenem Anlass auf.
In dem Buch Dinopark von Michael Crichton (Knaur; inzwischen als Jurassic Park im Heyne Verlag; und schon wieder ein Michael 🙂 ) werden einzelne Abschnitte des Buches durch geheimnisvolle, eckige Zeichen und noch merkwürdigere Zwischenüberschriften getrennt. Die Abschnitte werden als Iteration bezeichnet und von eins bis sieben durchnummeriert. Darunter finden sich unverständliche Zitate der Romanfigur Ian Malcom.

PapierIntroIteration

Schon damals hat mich diese komische Einteilung komplett aus dem Konzept des sonst so genialen Buches gerissen. Es hat mich geärgert, dass ich nicht verstanden habe, was Crichton mir damit sagen wollte. Hey, ich bin kein studierter Mathematiker!
So ganz verstanden habe ich die Bucheinteilung selbst heute noch nicht. Was soll denn nun die Sechste Iteration mit dem Fortgang der Geschichte zu tun haben?

Manchmal würde ich mir wünschen, diese Autoren wären bei der Einteilung ihrer großartigen Geschichten weniger kreativ gewesen. Doch dann würde uns auch all das andere Drumherum entgehen, bei dem wir sofort verstanden haben, wohin der Autor uns führen will. Und das wäre doch zu schade.

Immer genug Muße zum Lesen
und ärgert euch nicht über Autorenwillkür bei der Manuskriptgestaltung.

Euer Dominik Schmeller

Lesen macht gesund

Ein weiteres kurioses Fundstück ist das Sachbuch »Die Romantherapie« von Susan Elderkin und Ella Berthoud (Insel Verlag, 2013).
Wie in einem Lexikon wird in diesem Buch von A bis Z für allerlei Leiden der Menschheit eine Therapie vorgeschlagen. Und zwar besteht diese aus der Lektüre eines entsprechenden Romans.
Ich bin ja allgemein der Meinung, dass jeder viel mehr lesen sollte. Und wenn es jetzt auch noch gesund macht …!

Auf der Webseite http://www.romantherapie.de/ gibt es alle Infos zum Buch und auch einen Rezept-O-Mat, der bei einigen Wehwehchen schon mal hilft.

Beispielsweise kann man Angst vor Behördengängen durch die Lektüre von »Der Prozeß« (Franz Kafka) eindämmen und man heilt Daumenlutschen durch das Lesen von »Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation« (Michel Serres).

Natürlich glaube ich selbst nur bedingt an solche »Heilmethoden«. Zumindest körperliche Leiden wie Hämorrhoiden können sicher nicht, anders als versprochen, durch eine Lektüre von »Feuchtgebiete« (Charlotte Roche) geheilt werden.
Anders sieht das aber bei seelischen Leiden aus. Da könnte ich mir durchaus Hilfe durch einen bewegenden Roman vorstellen.

Immer genug Muße zum Lesen
und lest euch eure Sorgen weg.

Euer Dominik Schmeller

Gärtner oder Architekt

Manche machen es so, andere wollen es anders. Und es kann nicht schaden, wenn man weiß, wie man selbst es am liebsten macht.

Ich spreche von der Art, wie ein Autor seine Romane schreibt.
Für die beiden komplett verschiedenen Herangehensweisen gibt es zwei Begriffe, die ich sehr passend finde.

Die einen Autoren sind Gärtner. Sie beginnen mit dem ersten Satz und sehen dann, wohin sie ihre Geschichte bringt. Berühmte Beispiele dafür sind Stephen King oder George R.R. Martin.

Eine andere Art von Autoren sind Architekten. Bevor sie noch die erste Zeile einer Geschichte aufgeschrieben haben, haben sie schon seitenweise Charakterentwicklung und Plotplanung hinter sich.

Ich finde die Begriffe Gärtner und Architekt zwar sehr stimmungsvoll. Dennoch benutze ich selbst die Begriffe Bauchschreiber und Planer lieber, da sie die Vorgehensweise während des Schreibens am besten erfassen.

Beide Seiten haben Vorteile.
Der Bauchschreiber schreibt oft sehr emotional und zieht den Leser meist tief in seine Geschichte hinein, da er selbst sie mit seinem Leser zusammen entdeckt.
Der Planer hat eine größere Dichte an überraschenden Wendungen. Er schafft es meistens, dass am Ende des Romans alle Fäden zusammenkommen und der Leser ein Aha-Erlebnis hat.

Doch es gibt auch Nachteile.
Der Bauchschreiber krankt oft an losen Plotfäden, die er nicht zu einem befriedigenden Ende führen kann.
Der Planer kreiert Charaktere, denen das gewisse Etwas fehlt. Seine Welt erscheint nicht ganz so lebendig.

Es gibt natürlich auch Mischformen dieser Schreibschulen.
Für einen Autor ist es elementar wichtig, zu wissen, zu welcher Schreibart er eher tendiert. Denn nur so kann er wirklich produktiv sein.

Ich selbst habe schon immer viel lieber geplant, als aus dem Bauch heraus geschrieben.
Das habe ich mir selbst in einem Experiment eindrucksvoll bewiesen.
Im Herbst 2014 begann ich eine Geschichte, von der ich absolut nichts vorher geplant hatte. Ich wollte sie komplett aus dem Bauch heraus schreiben. Die Geschichte hat nach gut einem halben Jahr an Arbeit ca. 120 Seiten vorzuweisen. Und das, was ich geschrieben habe, gefällt mir selbst nicht wirklich gut.
Im April 2015 hingegen habe ich mit dem Schreiben an einem geplanten Kurzroman begonnen. Um die 100 Seiten dieser Geschichte zu schreiben, habe ich gerade einmal 14 Tage gebraucht.

Mein Fazit: Ich persönlich kann viel effektiver schreiben, wenn ich einen konkreten Plan vor mir habe. Jeden Tag werfe ich einen Blick in meinen Szenenplan und weiß ganz genau, was heute dran ist.

Manche beschweren sich darüber, dass ihnen auf diese Weise die Kreativität fehle, sie fühlen sich eingeschnürt. Doch für mich ist das nur zum Teil wahr. Auf der einen Seite kann ich mir während der Planungsphase so viel Freiheit nehmen, wie ich will. Auf der anderen Seite arbeite ich meinen Szenenplan zwar recht detailliert aus, es gibt aber immer noch jede Menge Dinge, die ich erst während des Schreibens festlege und die ich damit auch »schreibend entdecken« kann.

Für mich persönlich funktioniert das Schreiben aus dem Bauch heraus nicht. Zumindest nicht effektiv.
Auch wenn viele Bestseller Autoren genau diese Art zu schreiben praktizieren.
Es gibt aber auch andere. Ein Beispiel ist Brandon Sanderson. Der bekennende Planer schreibt Romane, die sich weltweit bestens verkaufen.

Immer genug Muße zum Lesen
und plant Kathedralen oder beackert den wilden Garten darum herum.

Euer Dominik Schmeller