Der Drang mit dem Zwang

Neulich habe ich einen packend geschriebenen Artikel in der neuen Federwelt (Ausgabe 111; April/Mai 2015) gelesen, der mich zum Nachdenken angeregt hat. Nina George (aktuell: Das Lavendelzimmer, Knaur) schreibt darin über Deadlines und den Druck, den sie aufbauen.

Landläufig kursiert die Meinung unter den Kreativen, dass ein Abgabetermin die Schreibmuskeln antreibt und den Autor beflügelt, unter ein Manuskript oder eine Geschichte früher ein Ende setzen zu können. Ich selbst habe schon mehrmals am eigenen Leib erfahren, dass gesteckte Ziele den Schreibfluss rasant fördern können.
Laut dem Artikel scheint dies auch bei Nina George für Kurzgeschichten super zu funktionieren. Sie erzählt, dass sie jeden Text unter 15.000 Zeichen am Tag der Abgabe schreibt. So verhindere sie, um den Kern der Geschichte herumzureden.
Bei längeren Texten hat die Autorin aber eine andere Erfahrung gemacht. Der Druck, der einerseits durch die engen Abgabetermine der Verlagsverträge, andererseits aber auch durch den gleichzeitigen Anspruch an sich selbst nach Perfektion entstehe, töte die Kreativität. George umschreibt das mit einem sehr schönen Bild: »Die ständige Pistole auf der Brust der Kreativität bringt sie um.«

Ich für meinen Teil muss zugeben, dass sich meine Erfahrungen mit Abgabeterminen bislang auf Kurzgeschichten-Ausschreibungen beschränken. Ich kann aber das Gefühl von Nina George gut nachvollziehen, sich gehetzt zu fühlen und dabei nicht die beste Geschichte zu schreiben, sondern stattdessen die schnellste.
Vielleicht sollten wir alle von Zeit zu Zeit vom Gas gehen und zurückblicken. Verfolgen wir eigentlich immer noch denselben Weg, zu dem wir aufgebrochen sind? Oder sind wir in der Hektik schon vor einigen Meilen falsch abgebogen?

Wie ist das bei Euch? Wie erlebt Ihr Abgabetermine? Und lasst Ihr Euch von ihnen schrecken?

Immer genug Muße zum Lesen
und lasst Euch nicht stressen!

Euer Dominik Schmeller

Der Pfeil zischte durch die Luft – ein Schreib-Klischee?

Gestern führte mich mein Spaziergang an einer Bogenschießanlage vorbei. Ein Mann trainierte und ich beobachtete ihn eine Weile. Vielmehr hörte ich mir an, welche Geräusche seine Übungen erzeugten.
Er legte einen seiner hochmodernen Pfeile auf die Sehne, konzentrierte sich und schoss ihn mit einem »Flapp« ab. Etwa zwei Herzschläge später traf der Pfeil mit einem lauten »Pock« auf die Zielscheibe, zitterte ein wenig und blieb dann ruhig stecken.
Erst nach drei dieser Durchgänge fiel mir auf, dass zwischen dem »Flapp« und dem »Pock« nichts zu hören war. Der Flug des Pfeils war völlig geräuschlos.

Wenn ein Autor eine mächtige Schlacht zwischen zwei dunklen Armeen beschreibt, die sich auf weiter Ebene grimmig gegenüberstehen, kann der Leser fast sicher davon ausgehen, dass irgendwann auf den zig Seiten, auf die das Schlachtgetümmel ausgewalzt wurde, ein ähnlicher Satz, wie der folgende, vorkommt: »Die Pfeile zischten auf sie herab.«

Doch ist das nur Klischee? Nach meiner Erfahrung auf der Schießanlage »zischen« Pfeile nicht, wenn sie fliegen. Sie finden vielmehr lautlos ihr Ziel. Was ich, ehrlich gesagt, noch viel unheimlicher finde.
Natürlich war ich weit davon entfernt, in der Flugbahn des Pfeiles zu stehen. Vielleicht hört man gar ein leises Zischen, wenn ein Pfeil direkt am Ohr vorbeisaust. Aber aus größerer Entfernung und während der Nebenmann in seiner Rüstung über das Feld scheppert?
Ich glaube nicht.

Oder liegt es daran, dass es ein moderner Pfeil aus Aluminium oder Carbon war? Würden Pfeile aus dem Mittelalter durch die Luft sirren?
Ein Versuch wäre es wert. Ich glaube jedoch nicht, dass sich hier etwas ändern dürfte. Pfeile werden schon seit langer, langer Zeit verwendet und für den Krieg und die Jagd optimiert. Wen wundert es da, dass diese Fernwaffen schon im Mittelalter fast die heutige, industrielle Ausgefeiltheit erreichten? Und das gilt sicherlich vor allem auch für ihre aerodynamischen Eigenschaften.
Mittelalterliche Pfeile bestanden meist aus Spaltholz wie Esche, Kiefer oder Pappel und waren mit einer feingeschmiedeten Stahlspitze und einer Befiederung versehen, die geleimt und zusätzlich durch Spiralwicklung gesichert war. [Für mehr zu diesem Thema, inklusive Bilder: www.pfeil-bogen.de] Ziemlich aufwendiges Spezialgerät, sowohl damals als heute. Kein Wunder, entschied der optimale Flug eines Pfeils ja meist über das eigene Weiterleben oder das des Gegners.
Darüber dürft ihr ruhig mal nachdenken, wenn ihr in eurem nächsten Fantasyfilm die Pfeile im Dutzend durch die Luft pfeifen hört. Ich werde es tun.

Immer genug Muße zum Lesen
und hört mal genau hin, wenn ihr auf eurem nächsten Ausritt an einer Bogenschießanlage vorbeikommt.

Euer Dominik Schmeller

Jahresrückblick 2012

Jetzt, da das neue Jahr begonnen hat, will ich ein bisschen darüber plaudern, was ich im letzten Jahr 2012 alles erreicht habe.
Ich hab zwei Romane geschrieben. Einen mit mehreren hundert Seiten, der noch in der Rohfassung auf meiner Festplatte darauf wartet, überarbeitet zu werden. Und einen Zweiten, den ich mehrmals überarbeitet habe und der mit seinen 144 Seiten unter einem Pseudonym im Oktober veröffentlicht worden ist.

Es wäre schön gewesen, wenn ich ein paar mehr Bücher hätte verkaufen könne. Doch ich denke, dass ich stolz auf die bisher verkauften sein kann, wenn man bedenkt, dass mein Name dort draußen noch wenigen Leuten etwas sagt und hinter mir kein großer Verlag steht.

Einige Kurzgeschichten habe ich geschrieben, manche handeln von Kriegern, andere von Söhnen im alten Rom. Keine davon wurde im letzten Jahr in eine Anthologie aufgenommen. Doch drei Entscheidungen stehen noch aus. Noch kann mir das Glück gewogen sein.

Zwei Lesungen habe ich gehalten. Auf einer davon trug ich zwei Kurzgeschichten vor, auf der anderen Lesung habe ich mein Buch »Fünf Götter Zyklus« vorgestellt. Beide Male war die Resonanz gut. Und ich konnte auch für einige Exemplare meines Buches interessierte Leser finden. Aufnahmen meiner Lesungen findet ihr auf meinem Youtube-Kanal: http://www.youtube.com/user/dominikschmeller
Der Versuch, weitere Lesungen auszuhandeln, war leider nicht von Erfolg gekrönt.

Nachdem ich mit meinem Fantasyroman, den ich schon 2011 fertig gestellt hatte, bei den Agenturen kein Glück gehabt habe, habe ich das Manuskript an einige kleinere Verlage geschickt. Von vielen habe ich noch nichts gehört, doch ein Verlag hat sich interessiert gezeigt und hat das ganze Manuskript angefordert. Bisher gibt es noch nichts Sicheres zu sagen. Doch ich hoffe, dass meine Geschichte dort einen Hafen gefunden hat oder demnächst anderswo einen findet.

Was soll das Jahr 2013 bringen? Was würde ich mir wünschen? Was nehme ich mir vor?
Auf alle Fälle will ich weiter dranbleiben. Es wäre super, wenn ich es wieder schaffe, zwei Romane oder sogar mehr zu schreiben.
Dann warte ich sehnlichst auf Nachrichten von dem Verlag, der sich für mein Manuskript interessiert. Es wäre natürlich auch schön, von anderen Interessenten zu hören.

Die Kurzgeschichten, über die noch keine Entscheidung gefallen ist, würde ich gerne in einer Anthologie wiederfinden.
Zusätzlich habe ich schon einen Wettbewerb ausgemacht, der im April ausläuft und sehr vielversprechend klingt. Dazu müsste dann noch eine Geschichte gesponnen werden.
Außerdem bin ich mir sicher, dass in Sachen Kurzgeschichten-Ausschreibungen noch mehr kommen wird.

Alles in allem kann 2013 sicher schlechter werden als 2012. Dennoch hat das neue Jahr das Potential, den Vorgänger bei Weitem zu übertreffen.
Was davon eintrifft, liegt – denke ich – auch stark an mir.

Immer genug Muße zum Lesen
und viel Erfolg euch allen im Jahr 2013!

Euer Dominik Schmeller

Rezension: Tagrichter – Dorothea Bergermann

Ich war regelrecht begeistert von dem Roman »Nachtrichter« von Dorothea Bergermann. Ein DSA-Roman über eine kleine Stadt, in der ein Dämonenpaktierer sein Unwesen treibt.
Auch das Buch »Tagrichter« spielt in der »Das schwarze Auge«-Welt. Und ich war gespannt darauf, es zu lesen, obwohl das Coverbild nicht meinen Geschmack traf.
Kann der neue Band genauso überzeugen?

Der Titel verrät es schon. Der Roman ist eine Fortsetzung von Nachtrichter. Wieder geht es um die Abenteuer von Adara und Faisal, den Dämonenjägern. Diesmal gelangen die beiden nach Elenvina. Eine Stadt, die ganz in der Hand des Gottes Praios liegt, dem Tagrichter.
Adara und Faisal dienen Phex (dem Gott der Handwerker, Glücksspieler und Diebe, dem Nachtrichter). Praios ist so ziemlich das Gegenteil: Der Gott der Wahrheit und des Lichts.

Aus diesem Gegensatz zieht der Roman bis zum Schluss vermeintlich seine Energie.
Ich sage vermeintlich, denn diese Rivalität wurde mir schon nach den ersten Kapiteln zu blöd. Als Aufhänger eines ganzen Romans war es mir zu wenig.
Zugegeben, es spielt auch noch ein Dämonenpaktierer und Rauschgift eine Rolle, doch das kann die Spannung leider nicht wirklich steigern. Vielmehr scheint es, dass die Geschichte ziellos von einer Szene zur anderen springt. So mag keine rechte Spannung aufkommen.

Am ersten Band hat mir die Sprache besonders gefallen. Ich war fasziniert, wie Bergermann eine alchemistische Analyse mit Worten aus der Fantasy so beschreiben konnte, dass auch ein Leser aus der Jetztzeit genau weiß, wovon sie spricht.
Auch in diesem Band findet sich die elaborierte Sprache wieder.
Doch wirkt sie oftmals aufgesetzt, anstatt die Geschichte zu unterfüttern.

Gut gefallen hat mir aber die Schilderung der Jugendgruppen der rivalisierenden Tempel. Bergermann gelingt es, mit sprachlicher Raffinesse eine mittelalterliche Jugendsprache zu kreieren, die ihresgleichen in anderen Büchern sucht. Es wirkt gleichzeitig vertraut und fremd.
Statt »Cool« sagen die Burschen und Mädels beispielsweise »frostig«. Ein genialer Einfall.

Das Buch ist wegen seines hohen Sprachniveaus trotz des schwachen Plots lesenswert.

Immer genug Muße zum Lesen
und lasst den Alchemisten in euch heute mal raus!

Euer Dominik Schmeller

Leere Seiten und die Lottofee

»Stark, was der/die da geschrieben hat. Das könnte ich nie.«

So oder so ähnlich sind die Gedanken vieler nach dem Lesen eines guten/spannenden/ausflippomatischen Buches.
Besonders Autoren neigen dann ehrfurchtsvoll das Haupt und stellen sich mit hängenden Schultern in eine Ecke.
Aber eigentlich hatte der Schriftsteller dieses Buches nichts anderes zur Verfügung als alle anderen Autoren auch: eine weiße Seite.

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass alle Bücher – wie gut und wie schlecht sie auch sind – mit einer leeren Seite begonnen haben. Gefüllt hat sie lediglich die Phantasie des Schriftstellers.

Nehmen wir beispielsweise das Buch »DinoPark« von Michael Crichton. (Ja, das Buch heißt in der deutschen Übersetzung wirklich so – englischer Originaltitel Jurassic Park).
Das Faszinierende ist: Jeder von uns hätte das Buch schreiben können.
Crichton hatte nichts anderes zur Verfügung als jeder andere Schriftsteller in der Welt auch: eine weiße Seite Papier und die Phantasie, diese zu füllen.

Natürlich gab es – gerade bei einem Thriller – auch viel Recherchearbeit und Unterredungen mit Experten. Dennoch. Beim Schreiben selbst war Crichton vor seiner weißen Seite gesessen und hat sie gefüllt.

Spannend wäre jedoch die Frage, wie es anders gelaufen wäre.
Was, wenn Crichton diesen Roman nie geschrieben hätte. Und was, wenn ich zufällig die Idee zu dieser Geschichte gehabt hätte.
Wie würde das Buch dann aussehen?
Sicherlich anders. Denn jeder Autor bringt ganz unbewusst seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse mit in die Geschichte.

Wäre das Buch dann auch ein Erfolg geworden? Wahrscheinlich kein so großer Weltbestseller.

Doch woran liegt das?
Einige werden sagen: Ob das Buch ankommt oder nicht, ob es einem aus den Händen gerissen wird oder auf den Regalen einstaubt, kommt auf den Geschmack der Leute an. Den muss man treffen.

Das mag sicher stimmen. Doch es hat auch mit Glück zu tun.
Glück, die richtigen Leute zu kennen. Glück, einen Nerv bei den Lesern zu treffen, den man zuvor nicht abschätzen kann.

Aber ist ein Bestseller landen wirklich vergleichbar mit dem gut bekannten »Sechser im Lotto«?

Ich denke: Nein!

Bei den sogenannten Bestsellern spielen die Verlage ordentlich mit.
Viele Bücher hatten schon in den Staaten Erfolg, bis sie zu uns importiert werden.
Auf den Büchern von Stephen King beispielsweise steht schon auf der deutschen Erstauflage »Der neue Bestseller des Meisters« drauf. Noch bevor ein einziges Buch über eine deutsche Ladentheke gewandert ist.
Dazu gibt es Bücherstapel in den Läden und spezielle Promoaktionen (Plakat, Internetwerbung) der Verlage.
Alles legitim. Doch natürlich wird der Bestseller (also das Buch, das sich gut verkauft) zu etwas »Machbaren«. Es wird entzaubert, denn jeder mit genug Geld (!) kann sich einen Bestseller erstellen.
Einfach mal selbst 25.000 Exemplare kaufen, um es auf die Bestseller Liste zu schaffen. Den Rest machen dann die Massen.

Wie heißt es so schön? Die erste Million ist am schwersten. Das gilt auch für die Buchbranche.

Doch am Ende begann jeder Bestseller mit einer weißen Seite Papier.
Wer weiß, vielleicht liegt diese Seite bereits auf eurem Schreibtisch.

Immer genug Muße zum Lesen
und lasst die Glücksfee heute Überstunden machen!

Euer Dominik Schmeller

Papierloses Autorenzimmer

Wo sind sie hin, die Zeiten, in denen Schreiberlinge ihre Leseprobe noch brav per Postkutsche an den Verleger lieferten und das angeforderte Manuskript dann ebenfalls in einem Kuvert zustellen ließen?

Zugegeben, ich habe diese Zeiten nicht mehr aktiv miterlebt.

Manuskript bedeutet nichts anderes als »mit der Hand geschrieben«.
An dieser Tatsache vergehen sich wohl 99% aller Autoren, wenn sie ihr Manuskript an den Verlag schicken. Das restliche Prozent macht seine Chancen auf Erfolg dadurch zunichte, dass Verlage schon auf ihrer Homepage propagieren, »handschriftliche Manuskripte nicht anzunehmen«.

Früher war alles einfach.
Wer weiß denn heutzutage, ob ein Verlag sein Anschreiben, Exposé und Leseprobe gedruckt oder elektronisch will. Da hilft nur ein Blick auf die Homepage.
Doch auch da hat jeder seine Vorlieben.

Ich habe beispielsweise meine Unterlagen postalisch an eine Agentur gesandt. Als Antwort kam, dass Gefallen gefunden wurde und ich doch bitte den Rest elektronisch einsenden solle. Das hat mich doch etwas gewundert. Wenn man schon darauf bestand, die Leseprobe nur zu konsumieren, wenn sie ausgedruckt war, warum wollte man dann das viel längere Manuskript als Datei haben?
Eine Kollegin half mir auf den Sprung: Die drucken das Manuskript selbst aus. Das können sie natürlich nicht für alle Einsendungen machen. Das machen sie nur, wenn sie sich für ein Angebot wirklich interessieren.

Klingt alles logisch, nicht?
Das ergab wirklich einen Sinn. Doch der Weisheit letzter Schluss schien noch lange nicht erreicht.

Denn auch den umgekehrten Fall habe ich erlebt.
Leseprobe elektronisch hingeschickt. Nach einiger Zeit kam die E-Mail (!) mit der Anforderung des Restes. Diesen aber doch bitte ausgedruckt.

Mein Fazit: Lasst euch nicht verwirren! Am Ende geht‘s darum, ob eine Geschichte fesseln kann. Egal in welcher (Daseins-)Form.

Immer genug Muße zum Lesen
und zur Not kann man mit seinen gedruckten Manuskripten immer noch prima eine dicke Fliege erschlagen.

Euer Dominik Schmeller

ANNO was-weiß-ich – Entdeckung einer neuen Welt

Viele Leute fragen sich (und ab und an auch mich), wie man auf die Ideen für eine Fantasygeschichte kommt, und vor allem, wie man eine ganze Welt erschafft.

Um diese Neugier zu befriedigen, will ich meine Schreibtischgedanken nutzen, um vor euren Augen (und mit eurer Mithilfe, Kommentare und Ideen von euch sind erwünscht!), eine Fantasywelt entstehen zu lassen.

Ich werde alles so aufschreiben, wie es mir in den Sinn kommt. Ich habe mir selbst vorher keine Gedanken gemacht und schreibe, was mir in diesem Moment einfällt.

Fangen wir also an!
Da mein letztes Projekt ( der »Fünf Götter Zyklus«) in einer Welt spielt, in der Zauberei unterdrückt wird, wollen wir uns diesmal das genaue Gegenteil ansehen: Eine Welt, die von Zauberern beherrscht wird. Götter gibt es nicht. Alle Religion, außer die Verehrung der Magie, sind verboten.
Die Hauptstadt dieses Landes heißt Kastell und liegt an einem wilden Fluss. Dort steht eine Burg, die auf einem schroffen Felsen thront. Sie ist nur von einer Seite zugänglich. An allen anderen Seiten fallen die Felswände steil hinab. Zusätzlich wird sie noch vom Fluss umtost. Die Burg trägt natürlich auch den Namen Kastell. Von diesem Gebäude hat die Hauptstadt ja auch ihren Namen.
Kastell ist mehr politische Hauptstadt. Es ist nicht besonders groß (wer will auch an einem wilden Fluss wohnen.) Sagen wir, es leben ca. zweitausend Seelen dort. Es wird wenig Handel getrieben (also wenig für eine Hauptstadt, über den wilden Fluss kann man ja auch nichts verschiffen). Die Menschen leben von … mhhh, von was könnten sie leben? Fischerei? Wäre möglich, auch wenn es in diesem Fluss nicht leicht ist. Vielleicht haben sie einige Fischweiher angelegt. Außerdem liegt ein großer Wald nahe der Stadt. Dort wird viel gejagt. Ihr merkt, die Bewohner von Kastell sind eher keine Vegetarier. Feldfrüchte gedeihen in der Gegend nicht gut. Zu feucht und stürmisch.

Lasst uns nun mehr auf das Kastell selbst und den (oder die) Herrscher unseres Landes eingehen.
Es müssen auf alle Fälle Zauberer sein. Nehmen wir mal nicht den EINEN bösen Zauberer. Das kennen wir ja schon aus etlichen Büchern. Sagen wir lieber es ist eine Gruppe Zauberer, die herrscht. Doch sie herrschen nicht direkt, sondern aus dem Geheimen. Es gibt einen Thronsaal in der Burg. Doch dort steht nur ein Thron! Ein Thron aus Kristall.
Doch hinter diesem Thronsaal liegt ein geheimer Raum. Dort tagt die Runde der Magier und regiert.
Wer aber sitzt auf dem Kristallthron? (Der übrigens leuchten kann, ärgerlich rot! oder auch zustimmend blau!). Auf dem Thron sitzt eine Maid. Ein Mädchen, eine junge Frau. Sie hat zarte Haut und wirkt zerbrechlich. (Kein Wunder, sie darf die Burg nie verlassen). Dieses Mädchen ist die Marionette. Sie wird Sturmkönigin genannt. Doch in Wahrheit halten die Zauberer alle Fäden in den Händen.
Bei einer Audienz hören sie alles mit und bestimmen, was die Sturmkönigin zum Volk sagt.
Einen Kronrat gibt es nicht.
Hat der Rat der Magier einen Namen? Eigentlich braucht er keinen. Denn niemand weiß über ihn bescheid. Vielleicht nennen die Zauberer ihren eigenen Rat einfach nur »den Rat«. Mhhh… das wäre etwas plump. Wie wäre es mit »das Konzil«? Ja, das klingt gleich mittelalterlicher und magischer.
Das Konzil herrscht also über dieses Land. Dafür nutzt es eine Marionette, eine blasse,  junge Frau, die auf dem Kristallthron sitzt.

Unsere Geschichte (nicht unbedingt unser Land) braucht jetzt noch einen Bösewicht. Was bietet sich besser an, als ein Mitglied des Konzils?
Zauberer werden sehr alt. Doch nur ein Mitglied des Konzils ist noch übrig aus der Zeit seiner Gründung vor über sechshundert Jahren. Dieser Zauberer ist der wahre Herrscher über das Konzil. Niemand wagt es, ihm zu widersprechen. Sein Name ist Fruingrin. Doch alle Nennen ihn nur, den »alten Weisen« oder schlicht »den Alten«. Vielleicht auch »den Altvorderen«? Mhhh… das klingt sehr gespreizt. Aber das könnte tatsächlich Fruingrins offizieller Titel unter den Zauberern sein. Die drücken sich doch gerne mal gespreizt aus.

Natürlich braucht unser Reich noch einen Namen. Über was soll sonst die Sturmkönigin gebieten?
Was kommt in Frage? Es sollte mysteriös und mittelalterlich klingen. Außerdem einen Schlag Grausamkeit … Wondex? Nein, das klingt wie eine Windelfirma. Wie wäre es mit Altbracken? Das wäre ein guter Name für ein düsteres Dorf. Aber nicht für ein Land. Also weiter überlegen. Burgund wäre ein super Name, aber den gibt es schon. Was können wir daraus machen? Bergund, nein zu platt. Es sollte am Ende auf alle Fälle -gund stehen. Oder doch lieber -gun? Wie wäre es mit Argun? Das hört sich doch gut an. Nehmen wir das erst einmal. Vielleicht können wir den Namen noch ein wenig aufpeppen, indem wir ihn schminken: Argûn. Na also, sieht doch gleich mystischer aus!

Das wärs also. Wir haben den Grundstein für eine Fantasywelt gelegt.
Im nächsten Teil von ANNO bekommt das Land zwei Sachen, ohne die es niemals auskommen kann (zumindest wenn es in einem Roman bestehen will): eine Zeitrechnung und einen Helden.

Immer genug Muße zum Lesen
und viel Vergnügen bei eurem ersten Ausritt durch das windige Argûn.

Euer Dominik Schmeller

Backstage von meiner Lesung in der Bücherei Böbing

Das Team der Bücherei Böbing schien ein wenig überrascht zu sein, dass ich mich schon zwei Stunden vor Beginn der Lesung mit ihnen treffen wollte. Doch die Zeit war nötig. Ich musste ja den Beamer anschließen, ausprobieren und ausrichten. Der Leseplatz musste eingerichtet, der Büchertisch aufgebaut und die Kamera positioniert werden. Schließlich sollte es ein spannender Abend werden. Nicht nur mit Texten aus meinem Buch »Fünf Götter Zyklus«, sondern auch mit Multimediaelementen.

Außerdem wollte ich Zeit haben, das Team der Bücherei kennenzulernen.

Am Ende wären die zwei Stunden fast zu knapp geworden. Der Beamer wollte unbedingt den Ton meines Videos ausstrahlen und quäkte vor sich hin. Es dauerte, bis es uns gelang, den Ton auf die Anlage umzuleiten, die über zwei ordentliche Boxen verfügte.
Erste Lektion dieser Lesung also: Lieber ein bisschen mehr Zeit einkalkulieren. Ein einhalb bis zwei Stunden sind nicht zu viel, wenn man noch einiges selbst aufbauen will.

Das Team der Bücherei hat sich aber auch ins Zeug gelegt, um den Abend zu einem schönen Erlebnis für alle zu machen. Ich habe mich mit der Leiterin vor Ort auf ein Rahmenprogramm geeinigt. Es gab eine Pause von ungefähr zwanzig Minuten, in der das Büchereiteam eine selbstgemachte Bowle ausgeschenkt und Knabberzeug bereitgestellt hat. Eine super Sache, die die Lesung aufgelockert hat und bei den Gästen natürlich sehr gut angekommen ist.

Ich habe zwei Texte aus meinem Buch ausgesucht. Sie stammten aus zwei verschiedenen Geschichten und hatten je rund 3300 bzw. 2600 Wörter. Da die Lesetexte beide aus der Mitte der Geschichte stammten, machte ich vorher eine kurze Einleitung und erzählte den Zuhörern, was sie wissen mussten.

Die Lesung lief so ab:
Begrüßung und Vorstellung meinerseits durch das Büchereiteam
Ein paar Worte über mich und mein Buch von mir selbst.
Buchtrailer zum »Fünf Götter Zyklus« ( http://bit.ly/rT9MWs )
Lesung der ersten Geschichte.

Pause

Vorstellung der Welt Bantol (mit Landkarte) und der Götter
Vorlesen eines kurzen Zwischentextes aus dem Pentastasimon
Vorstellen der Stadtkarte von Hallbrück (Überleitung zur zweiten Geschichte)
Lesung der zweiten Geschichte
Fragerunde

Bilder der Lesung findet ihr hier:
http://on.fb.me/SLVrCs

Zum Abschluss habe ich einen Korb mit frischen Kräuterpflänzchen überreicht bekommen, als Dankeschön für meine Mühen. Fand ich eine sehr nette Idee.

Das Beste an dem Abend aber war eigentlich, dass wir stundenlang nur über Bücher und Geschichten gesprochen haben. Zuerst nur mit dem Team der Bücherei, später auch mit den Gästen. Es macht Spaß, sich mit Leuten zu umgeben, die Bücher ebenso lieben. Da fühlt man sich, als wäre man dort, wo man hingehört.

Das gilt für Vorlesende und Zuhörer.

Immer genug Muße zum Lesen
und viel Freude auf eurer nächsten Lesung.

Euer Dominik Schmeller

Der Takt des Schreibflusses

Viele Schriftsteller schwören darauf. Und auch ich mache es.

Musik hören, während man in die Tasten haut.
So können die Finger aufgeregt über die Tasten tanzen, anstatt nur behäbig drauf zu tapsen.

Doch wozu das alles? Wieso können manche nur mit Musik schreiben?
Ich glaube, die Musik erreicht uns in einem Teil des Bewusstseins, der ganz eng mit dem Träumen verwandt ist, und damit natürlich auch mit dem »fiktiven Traum«, den ein Schriftsteller beim Leser auslösen will.
Wir können unsere Augen vor etwas verschließen, aber wir können nicht »weghören«. Musik findet immer einen Weg zu uns, selbst wenn sie aus dem entferntesten Winkel dieses Planeten stammt.

Genug der Theorie. Zur Praxis.
Ich höre beim Schreiben nur Musik, in der nicht gesungen wird. Außerdem soll sie kraftvoll sein und mich mitreißen. Das klappt am besten mit »Soundtrack Musik«. Also mit der Musik, die zur Begleitung von Filmen geschrieben wurde. Was einen spannenden Film gut untermalt, kann nur der passende Hintergrund für eine packende Geschichte sein.
Gesungene oder gesprochene Worte hingegen lenken mich zu sehr ab, stören mich im Schreibfluss und sind somit kontraproduktiv.

Doch woher nehmen?
Natürlich gibt es CDs. Auch ich habe früher eine Soundtrackscheibe eingelegt. Der Nachteil: Es kommen immer wieder dieselben Stücke. Auch wenn man die Musik beim Schreiben nur unterbewusst wahrnimmt, ist das auf Dauer doch nervig. Außerdem regt es die Fantasie besonders an, wenn man neue Musik hört.

Es gibt inzwischen einige Plattformen, die Musik auf Abruf bereitstellen (z.B. simfy). So hat man Zugang zu Tausenden Musikstücken und kann sie sich teilweise sogar thematisch sortieren. Das kostet natürlich Geld und man muss sich die Lieder selbst heraussuchen.

Eine gute Alternative ist das Radio.
Es gibt im Internet eine nicht endenwollende Heerschar an Radiosendern. Darunter natürlich auch solche, die Soundtrackmusik spielen.
Und so mache ich es auch. Ich stelle mir vor dem Schreiben meinen Radiosender auf Empfang und lasse mich von den Klängen ins Reich der Fantasie treiben. Meine Wahl fiel dabei auf: http://skyfmsoundtracks.radio.de
Und wenn einmal nur nervige Musikstücke gespielt werden, weiche ich eben auf meinen Musikanbieter aus, bei dem ich selber das Programm bestimme. Oder ich schiebe eine der alten, silbernen Scheiben rein und lausche doch noch einmal der vertrauten Musik der früheren Tage.

Immer genug Muße zum Lesen
und viel Spaß beim Tanzen.

Euer Dominik Schmeller

Flucht vor diesem Buch?

Das Buch eines umjubelten Sci-Fi Autors. Und dennoch zeigt es Schwächen, die dem Leser, meiner Meinung nach, den Genuss gehörig vergraulen.
Ich schreibe über »Flucht vom Mars«, von Herbert W. Franke, dtv, 2007.

Zuerst zum Sprachlichen.
Ich weiß nicht, was sich Franke bei den Namen seiner Figuren gedacht hat. Zwei Protagonisten heißen doch tatsächlich Ramses und Alf. Da das Buch eigentlich durchaus ein ernstes Thema hat, werfen die Namen den Leser unweigerlich aus dem fiktiven Traum. Wer muss dabei nicht an die ägyptischen Pyramiden oder den Melmac denken?
Ein Autor muss darauf achten, dass seine ausgesuchten Namen nicht zu exotisch klingen oder für den Leser nicht aussprechbar sind. Wichtig ist aber auch, dass sie keine ungewünschten Assoziationen auslösen.

Leider finden sich im Text auch einige störende Wortwiederholungen.
Und immer wieder wurden unpassende Formulierungen verwendet. Zum Beispiel die ungewöhnlichen Wörter konstatieren als Synonym für sprechen oder Bergkanzel als Bezeichnung für einen Felsvorsprung.
Ein Roman ist kein Wörterbuch. Der Leser sollte nicht durch Fragen aus dem Erzählfluss geworfen werden wie: »Was soll das denn heißen?«

Es finden sich in »Flucht zum Mars« zuhauf unschöne Formulierungen:
eine bedrohliche Änderung der Situation
… denn zu allem Überfluss hatte sich die Intensität des Windes weiter verstärkt.
Der Wind war völlig zum Erliegen gekommen.
(Das alles Beispiele aus der Sicht bzw. Perspektive eines Kindes/jungen Mannes)
Franke scheint ein Opfer der Substantivitis zu sein.

Eine Lehrerin sagte zu einem Schüler: »Warum nutzt du jede Gelegenheit, um die Schule zu schwänzen? Kannst du mir einen Grund dafür angeben?«
Ehrlich, wer spricht so? Das klingt völlig unrealistisch und konstruiert.
Plopp! Fällt der Leser aus dem Traum.

Natürlich heißt das nicht, dass man nur die 100 gebräuchlichsten Wörter der deutschen Sprache verwenden darf. Es ist eben ein schmaler Grad. Wer hat behauptet, gute Texte zu schreiben sei leicht?

Es gibt auch einige logische Fehler in dem Buch (wenn auch wenige.)
Ein junger Mann wird beispielsweise auf einem Berg von einem Schneesturm eingeschlossen (auf besagter Kanzel). Im letzten Moment (Deus ex Machina) wird er von einer Flugmaschine gerettet, die ihn im dichtesten Schneetreiben mit Infrarotortung (!) entdeckt hat.
Irgendwie schwer zu glauben.

Die gravierendsten Fehler scheint mir Franke jedoch im Aufbau der Geschichte gemacht zu haben.
!!! VORSICHT SPOILER !!!
Das Buch beginnt, dass eine Gruppe aus acht Menschen auf dem Mars landen. Soweit, so Sci-Fi.
Zuerst wird uns erzählt, die Gruppe befindet sich in einem Erlebnisspiel, das zur Unterhaltung der Massen veranstaltet wird (bis hierhin eine interessante Idee).
Die Handlung plänkelt so vor sich hin. Doch beim Leser kommt keine rechte Spannung auf.
Warum? Es fehlt ein konkretes Ziel, mit dem sich der Leser identifizieren kann.
Natürlich haben die Teilnehmer des Spieles das Ziel eine alte Festung auf dem Mars zu erreichen. Doch im Buch findet sich keine Leidenschaft in den Figuren, dieses Ziel zu realisieren. Und deshalb überträgt es sich auch nicht auf den Leser.
Die einzige Frage, die die Spannung ein wenig aufrechterhält, ist: Befinden sich die Menschen wirklich auf dem Planeten Mars, oder ist alles eine Studioillusion.

Zwischen die Kapitel setzt Franke immer lange Abschnitte, die über das frühere Leben jeweils eines der Teilnehmer berichten. Damit will er wohl die Charaktere vertiefen. Doch die Abschnitte lesen sich absurd und auch hier fehlt die Spannung, da sie kaum Verbindung zur eigentlichen Handlung auf dem Mars haben. Und darüber will der Leser mehr wissen!
Wieso charakterisiert Franke die Teilnehmer des Spiels nicht durch Interaktion der Menschen auf dem Mars? Doch genau das passiert nicht. Niemand stellt Fragen zur Vergangenheit oder Wünschen der anderen. Es scheint, als ob sich alle schon seit Äonen kennen. Für den Leser langweilig. Er kann die Menschen nicht in der wirklichen Situation erleben, sondern bekommt ihre Eigenarten in den Zwischenabschnitten schön säuberlich getrennt vorgeführt, wie in einem wissenschaftlichen Vortrag.
Dazu kommt noch, dass die Menschen auf dem Mars offensichtlich keinerlei soziale Verbindungen auf der Erde haben. Niemand hat Familie oder Freunde. (Dieser Punkt wird weiter unten noch wichtig.)

So weit, so langweilig.
Doch es kommt zu einem ersten Wendepunkt, als die Mitglieder der Expedition herausfinden, dass es eigentlich nicht wirklich um ein Spiel geht. Sie sollen stattdessen ein seltenes Metall aus der alten Marsbasis bergen und es zur Erde bringen.
Das kommt erstmal überraschend. Doch am Ziel ändert es eigentlich nichts. Die Acht sollen die Basis erreichen.

Etwa in der Mitte des Buches wird es endlich mal interessant! Es kommt heraus, dass ihre Reise gar kein wirkliches Erlebnisspiel ist. Die Erde soll von einem Asteroiden getroffen werden. Um sich selbst und einige andere zu retten, hat Ramses – ein hoher Regierungsvertreter – dieses Spiel auf dem Mars ersonnen.
Jetzt geht es nur noch darum, die alte Marsbasis zu erreichen, um zu überleben. (Endlich ein Ziel, mit dem sich der Leser identifizieren kann!)
Die Gruppe erreicht die Basis, beobachtet die (beinahe) Zerstörung der Erde und reist dann zurück in die Heimat, die trotz Katastrophe in Teilen noch bewohnbar ist.

Die Wendung mit dem Asteroiden (was endlich Spannung bringt, es geht immerhin um die Zerstörung der Erde), kommt viel zu spät. Mancher, durch all die Banalitäten gelangweilter Leser wird das Buch da schon weggelegt haben.
Aber noch schlimmer: Hier zeigt sich der grobe Mangel, den ich oben schon angesprochen habe: Keiner der Menschen auf dem Mars hat Verbindungen zur Erde.
Die Nachricht über die mögliche Zerstörung ihrer Heimat, nehmen sie zwar angeblich schockiert auf (das wird dem Leser erzählt, aber nicht gezeigt). Doch es hat außer einer schlechten Nachtruhe kaum Auswirkungen.
Auch, als sich alle in der Sternwarte zusammensetzen, um zu beobachten, wie die Erde zerstört wird, kommen kaum Emotionen auf. Und das ist es eben, warum ein Leser ein Buch liest: Emotion!
Wie toll wäre die Szene gelungen, wenn Linette plötzlich schluchzen würde: »Mein armer kleiner Thomas! Wo wird er sterben? Ich habe meinen Kleinen im Stich gelassen! Was werden seine letzten Gedanken über mich sein? Ich kann ihn nie wieder in die Arme nehmen und um Verzeihung bitten!«
Doch solche Gefühlsausbrüche bleiben dem Leser in diesem Buch erspart. Stattdessen gibt es nüchterne Analysen.

Das Buch hat noch einige, weitere Probleme, die ihr gerne für euch selbst entdecken könnt. Ich empfehle jedem, der etwas darüber lernen will, wie man Geschichten (nicht) aufbaut, das Buch zu lesen.
Und natürlich ist nicht alles schlecht. Auch in diesem Buch finden sich kleine Goldstückchen.

Immer genug Muße zum Lesen
und versucht eure Texte stets auch mit den Augen des Lesers zu sehen.

Euer Dominik Schmeller