Todesgruß – Astrid Plötner – Kriminalroman

Im Regionalkrimi Todesgruß erleben wir den ersten Fall von Maike Graf und Max Teubner.

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=09zjtUDI7uY

In Unna (NRW) wird eine Zahnärztin ermordet aufgefunden. Der Fall ist seltsam, hängt der Dame doch ein großes Lebkuchenherz um den Hals mit der Aufschrift: “Ein letzter Gruß, G.”
Doch noch seltsamer ist, dass Hauptkommisarin Maike Graf schon am Abend zuvor eine Warnung von einem anonymen Anrufer erhalten hat, der den Mord an der Ärztin angekündigt hat. Steckt der Ehemann Guido hinter dem Mord? Immehin scheint er in dubiose Immobiliengeschäfte verwickelt zu sein. Oder ist es doch der Immobilienhai Gero selbst, der die Ärztin umgebracht und im Stadtpark drapiert hat?
Doch kaum ist die Polizei auf einer heißen Spur, erfolgt ein weiterer Mord. Und schon bald erschallt in Unna der Schreckensruf: Der Kirmesmörder geht um!

Der Roman hält genau das, was das Cover mit dem Wort “Spannung” verspricht. Das Buch ist deshalb auch so spannend zu lesen, weil es so lebensecht geschrieben wurde. Nicht nur die Polizeiarbeit, sondern auch das restliche Leben der Figuren scheinen bis aufs Kleinste recherchiert und überlegt worden zu sein.
Besonders beeindruckt hat mich der Detailgrad, mit dem die Nebenfiguren des Buches geschildert wurden. Man hat das Gefühl, dass die Anwohnerin, die mal so nebenbei befragt wird, genauso ein “echtes” Leben und Vorstellungen hat, wie die Hauptpersonen in Form der ermittelnden Polizisten.

Fazit:
Ein Roman, der nicht nur spannend ist, sondern auch einen tollen Blick in das Leben einiger interessanten Figuren in Unna zulässt.

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Der verwaiste Thron – Midkemia-Saga 2 – Raymond Feist – Fantasyroman

Der verwaiste Thron ist der zweite Teil der Midkemia-Saga von Raymond Feist (Neuauflage 2016 – Blanvalet). In diesem Fantasyroman wird der Fortgang des Spaltkrieges beschrieben und wir erfahren, wie es mit den Hauptpersonen aus Teil 1 weitergeht.

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=iixSj_Q6ce0

Wir begleiten Pug auf seinen Abenteuern in der fremden Welt der Tsuranis, in die er als Kriegsgefangener gelangt ist. Erst muss er viele Jahre als Sklave arbeiten, kann sich dann aber beweisen und wird tatsächlich als Magier ausgebildet, nachdem sein Talent erkannt worden ist.
Tomas kämpft für seine Heimat in Midkemia gegen die Tsuranis. Außerdem wird seine Beziehung zur Königin der Elben immer intensiver. Eine Beziehung, die eigentlich nicht sein darf…
Der Fürst Arutha kämpft ebenfalls für seine Heimat und bricht verzweifelt zu einer gefährliche Reise auf, um Verstärkung in Krondor zu erbeten.

Die Charaktere sind auch in diesem Roman gut ausgearbeitet, doch fehlt wieder eine Liste der Personen. Es spielen wirklich sehr viele Personen im Roman mit und es ist schwer, nicht den Überblick zu verlieren.

Die Karte im Buch ist schön gestaltet und die Einzelheiten, die Feist uns hier über seine erschaffenen Welten verrät, sind interessant und lassen diese Welten sehr glaubwürdig erscheinen.

Fazit:
Der zweite Teil einer Reihe, in der über die Spaltkriege in Midkemia erzählt wird. Geht tiefer als Teil 1, konnte mich aber nicht völlig mitreißen.

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Hammer of the North (1) – Die Söhne des Wanderers – H. Harrison/J. Holm – Fantasyroman

In Hammer of the North – Die Söhne des Wanderers von H. Harrison/J. Holm werden wir von eiserner Faust gepackt und in das England der Wikingerzeit geschleudert. Wenn man diesen Roman liest, kann man wirklich ganz tief in die kriegerische Welt der Wikinger eintauchen. Und entdeckt ein Englang, das es so nie gegeben hat. Ein England unter der Herrschaft der Nordmänner.

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=InPLwETsc5o

Handlung
Die Nordmänner landen in England und wollen sich für ihren ermordeten Anführer an den Königreichen der Insel rächen. Wir erleben diese Eroberung unter anderem aus den Augen des Jungen Shef, der selbst unter widrigen Umständen im strengen England aufwächst. Im Laufe des Romans rollte nicht nur der Krieg über die englische Insel, sondern wir können auch die Entwicklung von Shef beobachten, wie er sich durch Schläue und Fleiß von einem Sklaven zum Anführer hocharbeitet. All dies wird überschattet von den schwierigen Familienverhältnissen des Jungen, bei denen sein Stiefvater – von den Wikingern verstümmelt – und sein Halbbruder ihm nach dem Leben trachten.

Im Roman wird immer wieder darauf eingegangen, dass die Kirche in England oft der Grund für alles Übel ist, anstatt die Erlösung, als die sie sich darstellt. Dies ist natürlich eine moderne Sichtweise, passt aber in den Roman, da vor allem Shef vom Geist her ein eher moderner Charakter ist, der viel hinterfrägt und die technische  Entwicklung des Krieges vorantreibt.
Die mystischen Elemente, die einen Teil des Buches einnehmen, sind mir manchmal ein bisschen zu schwammig geblieben. Da hätte ich mir vielleicht eine andere Umsetzung gewünscht. Zum Ende hin wird aber auch dieser Teil des Buches sinnvoll und “rund” abgeschlossen.
Ganz klar fehlt eine Karte in dem Buch, denn kaum ein Leser wird mit dem frühmittelalterlichen England vertraut sein und wissen wo auf der Insel die Königreiche Northumbria und Wessex lagen. Da recht viel gereist wird, könnte man auf einer solchen Karte die Strecken zwischen den Orten viel besser abschätzen und sich generell besser orientieren.

Sprache
Die oft wechselnde Perpektive ist hier sicher ein Manko, das mir unangenehm auffällt. Führt es doch manchmal zur Verwirrung in den Kapiteln.
Doch andererseits besticht die Sprache mit Klarheit und vielen Begriffen aus der Welt der Wikinger, die den Leser ganz tief in die  Geschichte ziehen.

Fazit
Mit “Die Söhne des Wanderers” beginnt ein Epos, das uns in die Welt der Wikinger führt und diese wirklich leben lässt. Da es sich um “alternative Geschichte” handelt, bin ich gespannt, wo uns die Autoren in den weiteren Bänden hinführen werden. Eigentlich ist alles möglich. Ich bin gespannt.

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Das Vermächtnis des Zauberers – Welt der 1000 Abenteuer – Jens Schumacher – Fantasy-Spielbuch

Das Vermächtnis des Zauberers ist das erste Spielbuch (außerhalb von Das schwarze Auge), das ich seit vielen Jahren gelesen habe. Ich mag es, von Abschnitt zu Abschnitt zu springen und zu sehen, wie sich die Handlung auf meine Entscheidungen hin entwickelt.

Cover Vermächtnis

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Die Geschichte dreht sich um ein Königreich, dessen magischer Schutz allmählich schwächer wird und das drauf und dran ist, von einer Horde Finsterlinge überrollt zu werden. So muss ein trotteliger Vielfraß drei Teile eines verschollenen Zauberstabs finden und wir werden zusammen mit ihm ausgeschickt, um eben diesem Trottel auf seinem Weg beizustehen. Glücklicherweise hat der Dicke nicht viel zu sagen, sodass wir alle Entscheidungen nahezu alleine treffen dürfen.
Es entwickelt sich eine rasante Reise durch ein vielfältig gestaltetes Königreich, während der wir verzweifelt versuchen, die Teile des verschollenen Zauberstabs zu finden. Doch dies stellt sich natürlich nicht als allzu leicht heraus.

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Neuauflag von Schumachers 1. Spielbuch zu dieser Reihe. Die Welt und auch die Geschichte ist fantasievoll ausgedacht und hält einige Überraschungen bereit. Auffällig ist auch die Hommage an Tolkien: Wir treffen auf einen Drachen in einem einsamen Berg nahe eines großen Sees. Er will uns fressen, wenn wir nicht einen Rätselwettbewerb gegen ihn bestehen. Wenn das mal nicht an Smaug und Gollum erinnert…

Besonders zu erwähnen sind die schönen Innenillustrationen, die zahlreich in dem fast 300 Seiten starken Buch zu finden sind. Ebenfalls gefällt mir, dass das Buch immer wieder darauf eingeht, welche Ausrüstung wir uns auf dem Weg eingesammelt haben.
Die Geschichte entwickelt sich spannend und es macht Spaß, den Wendungen zu folgen. Gleichzeitig sind die Welt und die Charaktere mit dem einen oder anderen Augenzwinkern geschildert. Es ist witzig, die Passagen zu lesen und immer tiefer in diese Welt einzutauchen.
Es stellt sich als nicht ganz leicht heraus, die Aufgabe zu erfüllen, für die wir ausgezogen sind. Doch mir hat es Spaß gemacht, die verschiedenen Wege auszuprobieren und zu sehen, welcher letztendlich ans Ziel führt. Einziger Kritikpunkt von meiner Seite: teilweise scheint der Weg etwas linear und es ist kaum möglich die Reihenfolge der Ereignisse zu verändern.

Wer auf Spielbücher steht und gerne eine neue, locker geschilderte, aber gefährliche Welt erkunden will, dem kann ich Das Vermächtnis des Zauberers empfehlen.

 

Der Lehrling des Magiers – Midkemia Saga 1 – Raymond Feist – Fantasyroman

In Der Lehrling des Magiers von Raymond Feist erleben wir die ersten Schritte in die Welt Midkemia, die Feist in vielen Folgeromanen und Reihen weiter ausbaut. Lohnt sich die Reise in den Kontinent Midkemia?

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=wDsdkVPzMpA

Handlung
Ein 13-jähriger Junge lebt bescheiden in einer kleinen Stadt am Meer. Wir begleiten ihn auf seiner Jagd nach Krabben. Doch er wird von einem Sturm überrascht und schließlich von einem Magier und seinem Gehilfen gerettet.
Pug wird Lehrling bei diesem Magier, der am Hofe des Herzogs arbeitet. So gelangt Pug bald in höhere Kreise und es gelingt ihm sogar, durch eine Heldentat zum Junker aufzusteigen.
Bis hierher verläuft das Buch in »geordneten Bahnen«, dann – ungefähr nach dem ersten Viertel des Romans – erscheint ein geheimnisvoller Feind an der Küste. Menschen aus einer anderen Dimension! Sind sie wirklich mit ihrem Schiff nur an der Küste gestrandet? Oder bereiten sie eine Invasion Midkemias vor?

Charaktere
Pug ist ohne Zweifel der Hauptcharakter der ersten drei Viertel des Romans. Wir erleben, wie der Junge heranwächst, seine Fähigkeiten entwickelt und die Welt entdeckt.
Insgesamt sind die Charaktere sehr verschieden und auch interessant. Da es jedoch sehr viele unterschiedliche Charaktere gibt, hätte eine Personenliste – vielleicht mit Stammbaum – im Anhang sehr geholfen.

Welt
Midkemia ist sehr klassisch und scheint größtenteils an Tolkiens Mittelerde angelehnt. Da es in dieser Reihe sehr viele Bände gibt, wird die Welt sicher von Roman zu Roman bereichert. Ich freue mich darauf, Midkemia noch weiter zu entdecken. Hier in Band 1 konnte mir die Welt noch nicht so sehr ans Herz wachsen. Die beschriebenen Passagen wirkten noch recht austauschbar. Trotz langer Reise der Hauptpersonen durch das Land bin ich noch nicht wirklich dort angekommen. Die beschriebene Landschaft wirkt steril und atmet nicht zwischen den Buchseiten.

Sprache
Die Sprache ist angenehm, sticht aber weder positiv noch negativ heraus. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der auktoriale Erzähler. In modernen Büchern findet man meist einen personellen Erzähler.

Fazit
Der Auftakt zu einer Reihe, die sehr interessant werden könnte. Der erste Band geizt ein wenig mit Spannung und lässt noch viel Luft nach oben.

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Nordwärts – Phileasson Saga 1 – Bernhard Hennen/Robert Corvus – Fantasyroman

Alles begann inspiriert durch »Reise um die Erde in 80 Tagen« von Jules Verne und entwickelte sich zu einer der beliebtesten Kampagnen von Das schwarze Auge: Der Phileasson Saga.
Nun haben Bernhard Hennen und Robert Corvus diese epische Geschichte über zwei Thorwalerkapitäne, die eine Abenteuerfahrt um den ganzen Kontinent bestehen müssen, wieder auferstehen lassen.

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ip6qFtmJ36o

Handlung
Der Roman beschreibt, wie sich die beiden besten thorwalschen Kapitäne, Phileasson und Beorn, aufmachen, um in ihren Booten zusammen mit einer ausgewählten Mannschaft den Titel »König der Meere« zu erobern. Um den Titel für sich zu erstreiten, müssen die Männer viele gefährliche Aufgaben meistern und dabei den Kontinent Aventurien in 80 Wochen umrunden.
Am Anfang von Nordwärts steht ein knapp 100 Seiten langer Prolog, der vor allem einen der Charaktere einführt (zum Prolog unten mehr).
Dann erleben wir, wie die Kapitäne die Herausforderung der Abenteuerfahrt annehmen, sich eine Mannschaft zusammenstellen, zu ihrer ersten Aufgabe in den eisigen Norden aufbrechen und versuchen, diese zu lösen.
Da dies der Auftakt einer langen Reihe (vermutlich 12 Bände) ist, werden hier die Charaktere ausführlich vorgestellt. Und es sind viele, viele Charaktere (mehr dazu, siehe unten).

Wer sich nun fragt, warum er die Romane lesen soll, obwohl er die Saga doch schon kennt, dem kann ich sagen: es lohnt sich! Auch alte Fans der Saga können sicher noch einiges Neues entdecken. Dies liegt vor allem an vielen Charakteren, die Hennen und Corvus sich extra für ihre Adaptation überlegt haben und die in der ursprünglichen Kampagne nicht auftauchen.

Aufgefallen ist mir die zweigeteilte Handlung, in die der Roman zerfällt.
In den ersten knapp 100 Seiten leiden wir mit dem jungen Tylstyr in einem Prolog. Hier wird sehr emotional geschildert, wie der Magier von seinem Dorf abgelehnt wird. Da eine Hungersnot droht, entscheidet sich das Dorf, ein Handelsschiff zu überfallen. Keiner der Seeleute darf überleben, damit niemand hinter das Geheimnis der grausamen Tat kommt. Tylstyr wird gezwungen, sich an diesem Überfall zu beteiligen.
Doch es wird noch schlimmer. Ein Mädchen überlebt den Überfall auf das Schiff, wird von den Jungmannen aus dem Dorf in eine Höhle gesperrt und viele Male vergewaltigt. Tylstyr, der Ausgestoßene, möchte ihr unbedingt helfen.
Und der Leser wünscht sich natürlich, dass er Erfolg hat. Dies verstärkt die Bindung des Lesers zum Charakter.
Und genau hier liegt das Problem. Nach dem Prolog nimmt die Geschichte eine komplett andere Wendung. Die bisherigen Geschehnisse sind eigentlich für den Rest der Geschichte kaum mehr relevant. Nur zwei Mitglieder auf der Abenteuerfahrt, Tylstyr und ein anderer Jungmann aus demselben Dorf, betreffen die Vorfälle im Prolog noch.
Ich weiß nicht, was Hennen und Corvus weiterhin geplant haben, doch hoffe ich, dass es den beiden gelingen wird, die Vorgeschichte noch stärker mit der Hauptgeschichte zu verknüpfen.
Die Stimmung in der weiteren Geschichte ist sicher eine ganz andere, als die im Prolog. Und diese Stimmung gefällt mir auch besser. Hier schwingt eher das unbeschwertere, abenteuerliche Flair mit, das ich in Aventurien liebe.

Charaktere
Die Figuren des Romans sind sehr vielschichtig und besitzen glaubwürdige Emotionen und Wünsche. Dabei scheint fast jeder mit einer eigenen Motivation ausgestattet zu sein.
Bisher ist noch nicht so viel von Charakterentwicklung zu sehen, doch bin ich schon sehr gespannt darauf, wie sich die Figuren im Laufe der Reise noch verändern werden.
Als meine momentanen Lieblingscharaktere würde ich herauspicken:
Den alten Kämpen, Eichward vom Stein.
Das geheimnisvolle Mädchen mit Gesichten, Leomara

Welt
Die Romanreihe ist eine Adaption einer sehr beliebten und erfolgreichen Kampagne aus dem Rollenspiel Das schwarze Auge. Und spielt deshalb natürlich auch auf dem Kontinent Aventurien. Vielen wird Aventurien wohl bekannt sein. Wer den Kontinent nicht kennt, kann hier mal nach ein paar Infos schauen:
http://www.wiki-aventurica.de/

Mir gefällt, wie Hennen und Corvus die Thorwaler in Nordwärts dargestellt habe. Sie weisen zum Beispiel explizit darauf hin, dass das Thorwalsch (die Sprache der Thorwaler) keine höfliche Anrede, sondern nur das Du kennt. Da merkt man, dass die beiden sich wirklich intensiv mit dem Hintergrund beschäftigt haben.
Geschickt wurde auch immer wieder darauf eingegangen, welche Sprache die jeweiligen Charaktere sprechen. Nicht alle sind gebürtige Thorwaler und so ergeben sich vielerlei Akzente. Dadurch wirkt die Welt nicht einfach nur wie ein Einheitsbrei, sondern vielschichtig.
Auch die Elfen, die ja innerhalb der Saga noch eine wichtige Rolle spielen werden, haben die Autoren gut eingefangen. Ihre Eigenart – vor allem ihre aventurische Eigenart im Vergleich z.B. mit den Elben im Herr der Ringe – kommt gut zur Geltung.

Sprache
Direkt und mit wenigen Schnörkeln. Präzise wird vor allem dann alles beschrieben, wenn es um Kampf oder Schifffahrt geht.
Die Welt der Thorwaler hätte man vielleicht noch mit ein paar mehr nordischen Begriffen ausschmücken können.
Die Tatsache, dass hier zwei Autoren zusammen am Werke waren, merkt man am Text nicht. Alles wirkt sehr einheitlich.
Probleme hatte ich nur stellenweise bei der Perspektive. Die Autoren halten die Perspektive zwar immer genau ein, dennoch kann es verwirrend sein, wenn zu viele Perspektivfiguren in derselben Szene vorkommen. Da sich die Charaktere alle zusammen auf Abenteuerfahrt befinden, kommt dies aber leider häufig vor.

Fazit
Ein spannender Roman und ein würdiger Auftakt zur großen Phileasson Saga.
Ich freue mich schon auf die nächsten Romane. Hennen und  Corvus haben uns in diesem Buch interessante Charaktere präsentiert. Ich möchte gerne wissen, wie sie sich auf der weiteren Reise schlagen.

Immer genug Muße zum Lesen
Euer Dominik Schmeller

 

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Grauwacht – Robert Corvus – Fantasyroman

In Grauwacht tauchen wir ein in die Nacht einer Welt, die konsequent anders ist, als unsere Erde. Wird es Krieg geben zwischen den Menschen und den amphibienhaften Sasseks? So unterschiedlich diese Rassen sind, so unterschiedlich sind ihre Lebensarten. Leben die Sasseks doch im ewigen Tag, während sich die Menschen durch die bitterkalte Dunkelheit der Nacht kämpfen müssen.

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=-1MWDSJsLnc

Handlung
Das Buch beginnt mit Remon, der Besuch von der Guardista Vorena bekommt. Schnell wird klar, dass Remon ein Eidbrecher ist. Er war ebenfalls ein Guardista, hat die Grauwacht aber für seine Frau Nata verlassen. Zusammen haben sie inzwischen eine Tochter.
Die Grauwacht kann man aber nicht so einfach verlassen, denn jeder Guardista bekommt das seltene Nabo, eine mächtige Substanz, die den Körper vor Verletzungen – auch schweren – schützt und die Kämpfer dadurch stärker macht. Dieses Nabo ist begrenzt, sodass nur einige Hundert Guardista überhaupt existieren können. Jeder, der die Grauwacht verlässt, nimmt also jemand anderen den Platz weg. Zusätzlich ergibt sich so die Gefahr, dass derjenige draußen in der Wildnis stirbt und das Nabo somit für die Gemeinschaft verloren ist.
Dies ist nicht das einzig geniale Konzept, dass Robert Corvus in diesen Roman gepackt hat.
Doch zurück zur Handlung:
Vorena zwingt Remon, mit ihr auf die Suche nach einem verschollenen Guardista zu gehen. Wenn die beiden ihn gefunden haben, soll Remon vor ein Gericht gestellt und für seinen Verrat zu Tode verurteilt werden. Im Laufe der Suche der beiden lernen wir die faszinierende Welt Bisola weiter kennen (siehe unten bei Welt).
Der Auftrag endet nicht so, wie Vorena sich das vorgestellt hat und sie ist Remon einen Gefallen schuldig. Also muss sie ihn ungestraft laufen lassen.
Hier beginnt die eigentliche Geschichte, denn Remon muss nun seine Frau und seine Tochter finden, die ihre heimatliche Gemeinschaft verlassen haben, da sie Remon für tot hielten.
Hier kommt nun der erste große Plottturn (also Wendepunkt) der Geschichte und es ist beileibe nicht der Letzte. Die Geschichte wandelt sich öfter als ein Chamäleon.
Wir folgen Nata, die in die Metropole Oculor aufbricht, um dort mit ihrem Vater, einem weisen Sabo zu sprechen, um mehr über die merkwürdige Veränderung der beiden Monde des Planeten herauszufinden. Doch auch dort verläuft beileibe nicht alles so, wie geplant.
Wird Remon Nata wiederfinden oder wird er doch noch von der Grauwacht gestellt und hingerichtet? Was hat es mit der Veränderung der Monde der Welt auf sich?
Diese und viele andere Fragen treiben den Leser weiter. Das Buch hat jede Menge Drive und entwickelt sich ab ca. 100 Seiten zu so etwas wie einem Pageturner. Zumindest soweit dies im Fantasybereich möglich ist.

Charaktere
Wie in vielen Büchern von Robert Corvus erleben wir die Welt aus der Sicht von vielen Protagonisten. Hier will ich mich auf diejenigen beschränken, die schon zu Anfang eine größere Rolle spielen, um den Fortgang der Geschichte nicht zu stark zu verraten.
Remon ist ein Abtrünniger, der für die Liebe die Grauwacht verlassen hat. Er ist eine starke Persönlichkeit und setzt seine durch das Nabo verliehene Stärke dafür ein, seine Gemeinschaft bei der Jagd bestmöglich zu unterstützen.
Als Vorena ihn findet, fügt er sich dem Unvermeidlichen, hört aber niemals auf, seine Familie zu lieben und für sie zu kämpfen.
Vorena ist eine prinzipientreue Frau, die in der Grauwacht als zänkisch verschrien ist. Sie sagt, was sie denkt und hält an Ehre und Treue in jeder Situation fest.
Nata ist die Tochter eines Sabo, die für die Liebe (Remon) die Sicherheit der Metropole Oculor aufgegeben hat, in der niemand frieren oder hungern muss. Dadurch zeigt sich, wie stark ihre Liebe zu Remon ist. Doch gleichzeitig ist Nata eine kluge Frau, die sich auf die Spur eines großen Rätsels setzt, um herauszufinden, was es mit der Veränderung ihrer Welt auf sich hat. Ein bisschen Schade finde ich den Versuch des Autors, diese Suche mit der Angst von Nata vor dieser Veränderung zu erklären. Die wissenschaftliche Neugier dieser Frau erscheint mir doch sehr stark und für mich wäre dies eigentlich glaubwürdige Motivation genug.

Welt
Das Setting der Geschichte ist sicher das, was den Roman ausmacht. Wir erleben eine Welt, die zweigeteilt ist. Der Tag-/Nachtzyklus läuft sehr langsam ab. So gibt es eine Seite des Planeten, die sehr lange im Licht, eine andere Seite, die sehr lange in Dunkelheit liegt. Daraus folgen dann natürlich auch die entsprechenden Temperaturen von glutheiß bis eiskalt.
Hier zeigt sich die Qualität des Autors, der ohne zu Zögern sämtliche Konsequenzen zieht, die aus diesem Setting folgt. Dies macht den Roman wahnsinnig glaubwürdig.
Die gesamte Gesellschaft auf dem Planeten ist ständig auf Wanderschaft. Die Menschen bleiben in der Nacht, die Sasseks im Tag. Dadurch entsteht natürlich ein Wechsel an den Grenzen, den die Grauwacht hütet. Offenbar gibt es ein altes Abkommen, das all dies regelt.
Die Welt erscheint mir ein bisschen wie eine Fantasy-SciFi-Mischung, denn es gibt auch Schutzschilde und andere Gerätschaften, die mir eher in eine zukünftige Welt passen. Doch dies alles wird vom Autor sehr glaubwürdig verwoben.
Eine weitere tolle Idee ist das Nabo. Ich habe dazu oben schon etwas geschrieben. Es macht die Grauwacht nicht nur interessant, es wirft Remon auch in ein Dilemma, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt. Und weil der Autor eben für seine Konsequenz bekannt ist, habe ich während des Lesens schon sehr um den Mann bangen müssen.
Durch das Einführen eigener Entfernungs- und Zeitangaben wird die Welt noch lebendiger. Strecken werden in Clicks gemessen, was auf mich auch wieder einen eher SciFi-Charakter hat.
Besonders gefallen hat mir aber auch die Zeitmessung. Sie beruht vollständig auf den Monden, die den Planeten umgeben. So gibt es einen Doppelmond, der wohl in etwa einem Jahr entspricht, und dann die Umläufe der beiden Monde. Dabei braucht einer der Monde (Mezza) sehr viel länger als der andere (Dya), sodass sich vielfältige Zeitenteilungen ergeben. Dies alles ist wunderbar in die Geschichte integriert und macht sie sehr stimmungsvoll.
Doch dies sind nicht alle Idee, die der Autor in das Buch gesteckt hat. An jeder Ecke erwarten den Leser neue Einfälle und es scheint, als lese man nicht nur diese eine Geschichte, sondern als stöbere man in einer ganzen, reichhaltigen Bibliothek.

Sprache
Der Schreibstil von Robert Corvus ist mir schon aus seinen anderen Büchern bekannt. Er ist nicht verschnörkelt und liest sich genau so, wie ich es gerne habe. Besonders bei Kämpfen bemerkt man, wie tief sich der Autor mit der Materie beschäftigt hat. Er beschreibt wunderbar die verschiedenen Bewegungen. Ich persönlich bin kein Fan von langen Kampfbeschreibungen, auch wenn sie in Fantasybüchern dazugehören, doch es ist schön, wenn man merkt, dass der Autor weiß, wovon er spricht.
Die konsequente Umsetzung der Welt kommt auch in der Sprache gut rüber.
Ab etwa der Mitte des Buches können wir sogar einen Blick in einen Sassek werfen. Dem Autor gelingt es unglaublich gut, dieses fremde Volk glaubwürdig zu machen und die Welt der Menschen auf Bisola aus den Augen der Amphibie zu beschreiben. Es machte sehr viel Spaß diese Stellen zu lesen.

Fazit
Ein genialer Roman, bei dem ich den Moment gefürchtet habe, in dem ich den letzten Satz lese. Charaktere, Setting und Plot sind sehr glaubwürdig umgesetzt. Es gibt so viele Wendepunkte, dass es nie langweilig wird und man jedes Mal einen anderen Aspekt dieser tollen Welt erforschen kann.
Die Bücher des Autors sind alle sehr gut, doch dieser Roman war mit Abstand das Beste, das ich bisher von ihm gelesen habe.

Immer genug Muße zum Lesen
Euer Dominik Schmeller

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Kalypto- Die Herren der Wälder – Tom Jacuba – Fantasyroman

In Kalypto – die Herren der Wälder von Tom Jacuba entsteht vor uns eine reichhaltige Welt, dicht geschildert und liebevoll gestaltet. Wir begleiten drei Charaktere. Drei Charaktere mit völlig unterschiedlichen Motiven. Was geschieht, wenn sie aufeinandertreffen? Wird die Welt, wie sie ist, zerstört? Oder entsteht etwas völlig Neues und Wundervolles?

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Handlung
Die alte Zivilisation Kalypto erwacht nach sehr, sehr langem Schlaf.
Die Welt hat sich verändert. Die Magierin Catolis bekommt den Auftrag, zusammen mit weiteren Magiern im Verborgenen herauszufinden, welche Völker nun auf dieser Welt leben und welches von ihnen am besten geeignet ist, dem 2. Reich Kalypto zu dienen.
Weiterhin wird das Leben von zwei Menschen in diesen neuen Völkern beschrieben: Lasnic und Ayrin.
Lasnic gehört zu den Waldmenschen und muss, nach einer sehr ungewöhnlichen und rauen Kindheit, mit seinem Leben im Waldreich zurecht kommen.
Ayrin hatte ebenfalls eine schwere Kindheit. Sie wurde sehr früh Königin, da ihre Mutter auf mysteriöse Weise verstorben ist. Nun muss sie ihre Stellung im Bergkönigreich Garona behaupten und ihren Hass überwinden, den sie gegen ihre kleine Schwester Lauka spürt.

Mir fällt es schwer, die Handlung zusammenzufassen. Ich hatte schon beim Lesen das Problem, dass mir irgendwie der Drive im Buch gefehlt hat. Der Leser weiß nicht immer, wohin die Reise gehen soll. Das kann gut und spannend sein. Hier war es mir aber zu viel und ich war eher verwirrt, anstatt gespannt.

Charaktere
Catolis ist die Drahtzieherin hinter allem. Sie stößt die Suche nach den Völkern an und dirigiert alles aus dem Hintergrund. Sie hat immer alles im Griff und wirkt völlig von sich überzeugt.
Lasnic ist ein Waldmensch. Der Charakter blieb für mich leider bis zum Schluss des Buches recht unsympathisch, auch wenn er sich in den letzten Zügen noch gebessert hat. Lasnic flucht gerne und ist ein Weiberheld.
Ayrin spürt schon früh das Gewicht des ganzen Bergkönigreiches auf ihren Schultern (und das ist massiv). Die Garonesen sind ein hartes und raues Volk und so ist es teilweise auch ihre Königin. Ich konnte ihre Gefühle teils recht gut nachvollziehen, streckenweise aber auch gar nicht. Als Charakter ist Ayrin ziemlich schwer greifbar. Ich hätte mir gewünscht, sie hätte ihren Willen mehr durchgesetzt und hätte sich nicht von den »Älteren« so vieles vorschreiben lassen. Aber auch dies mag eine Eigenart der Garonesen sein, passen würde es zu diesem Volk.

Welt
Das Besondere an diesem Buch ist auf jeden Fall die Welt, die der Autor Tom Jacuba hier erschaffen hat. Es gibt viele verschiedene Reiche, alle mit einem eigenen Volk belebt, das eigene Gedanken, eine eigene Sprache, Sitten und Lebensweise hat.
Auf jeder Buchseite atmen diese Völker in ihrem eigenen Takt. Man muss nur einen Satz lesen und weiß sofort, wo in der Welt man sich gerade aufhält.
Dies wird unterstützt durch die vielen Wortneuschöpfungen, die der Autor in diesem Buch getätigt hat. Jedes Volk hat eine ganz eigene Art, die Dinge zu betrachten. So sprechen die Waldmenschen beispielsweise nicht von König und Graf, sondern von Waldfürst und Eichgraf. Schartan ist der Teufel und »ins Vorjahrslaub fallen« heißt sterben.
Sosehr diese sprachliche Eigenart der Völker einen in den Roman zieht, sosehr kann sie auch den Leser verwirren. Dadurch verliert die Lektüre an Spannung.
Das Buch wandert auf dem schmalen Grat zwischen »toll detailreich« und »zu detailreich, ich bin verwirrt«.
Dazu kommt noch, dass es sehr viele Namen im Roman gibt. Leider ist es mir beim Lesen nicht gelungen, alle Namen immer parat zu haben, sodass ich einige Passagen  nicht gleich verstanden habe. Auch dies ein Problem für die Spannung.
Andererseits muss das bei einer so reichen Welt eben sein. Und es gehört zur Fantasy irgendwie ja auch dazu.
Ein Namensglossar wäre hier vielleicht nicht schlecht gewesen.

Sprache
Die Wortwahl des Autors ist passend auf jedes Volk zugeschnitten. Die Sprache lässt sich flüssig lesen und sie ist nicht zu poetisch.
Etwas merkwürdig wirkte auf mich, dass Lasnic von seinem Vater immer nur als »Vogler« spricht. Das scheint sehr distanziert und ebenso wirkte der Charakter dann auf mich als Leser.

Fazit
Ein gutes Buch, dessen Handlung manchmal ein bisschen ziellos wirkt und das durch den extremen Reichtum an Details fast schon verwirrt.
Ob ich den zweiten Teil lesen will, weiß ich jedoch noch nicht.

Immer genug Muße zum Lesen
Euer Dominik Schmeller

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Das eherne Buch – Christian von Aster – Fantasyroman

Eine Klinge, die das Zeug dazu hat, die Welt vom Krieg zu befreien? Zu schön, um wahr zu sein?

Meine Videorezension:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=rl2K8SpN0WE

Der junge Jaarn lebt in einem Hort der Bücher. Von der kriegerischen und gefährlichen Welt um ihn herum bekommt er nur wenig mit.
Doch eines Tages erfährt er, dass er der Erbe eines der großen Fürsten ist und eine Aufgabe zu erfüllen hat, die, wenn sie nur gelingt, der ganzen Welt endlich Frieden bringen würde. Eine abenteuerliche Reise beginnt und schon bald steht Jaarns Welt kopf.

Der Roman »Das eherne Buch« scheint eine klassische Geschichte zu erzählen. Das Motiv – die Heldenreise – wird aber durch zahllose Plotttwists aufgebrochen. Beim Lesen erschien es mir fast so, als wollte der Autor mit aller Macht verhindern, zu vorhersehbar zu werden.
Doch genau das ist auch eines der größten Probleme, die ich mit dem Buch hatte. Die Geschichte und auch die Charaktere beginnen klar und man kann allem folgen. Doch nach dem ersten Viertel des Buches beginnt es, durcheinanderzugeraten, sodass es mir schwerfiel, mit der Handlung mitzufiebern.
Außerdem tragen viele Figuren in dem Buch nicht nur einen Namen, sondern besitzen einen oder gar mehrere Spitznamen, die genauso häufig bei der Beschreibung und Anrede verwendet werden. Gerade in einem Fantasybuch haben Leser ja öfter mal Probleme mit den unterschiedlichen Namen der Figuren. Mit den zahlreichen Spitznamen hat der Autor der Geschichte, meiner Meinung nach, keinen Gefallen getan. Mich jedenfalls haben die verschiedenen Namen verwirrt.
Eines der größten Probleme war in meinen Augen, dass Jaarn als Protagonist zu passiv blieb. Als Leser möchte ich mit den Charakteren mitfiebern. Natürlich agiert der Protagonist gerade in den ersten Teilen einer Geschichte oft passiv. Doch Jaarn blieb dies im »ehernen Buch« bis zum Schluss.

Insgesamt ein Roman, der die große Fantasie des Autors zeigt, doch mich gleichzeitig mit seinem Aufbau nicht recht überzeugen konnte.

Skargat – Daniel Illger – Fantasyroman

In Skargat von Daniel Illger tauchen wir ein in eine bittere Welt der Menschen, die zugleich von der Welt der Geister durchdrungen wird. Welche Regeln gelten für wen? Kann man einen Toten erwecken? Und kann man einen Geist töten?

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Handlung
Der junge Mykar wird in seinem Dorf von allen misshandelt. Nur Cay stellt sich auf seine Seite und wird sein Freund. Als Cays Verlobte ermordet wird, fällt der Verdacht auf Mykar. Der Junge wird von den aufgebrachten Dörflern erschlagen, stirbt aber nicht wirklich, sondern lebt im Wald in einer Art Totenschlaf weiter.
Jahre später erfährt Mykar, dass Cay wegen des Mordes an einem Adeligen verhaftet worden ist. Er möchte unbedingt die Unschuld des Mannes beweisen, der als Einziger in dieser Welt gut zu ihm gewesen ist. Dazu findet er bald die Unterstützung des abgehalfterten Adligen Justinius, dessen größenwahnsinniger Magd und der geheimnisvollen Vanice.

Charaktere
Die Charakteres dieser Geschichte sind unglaublich schillernd und unverwechselbar gestaltet. Alleine die Magd Scara, die sich in allen Belangen über ihren Herrn Justinius stellt und ihn bei jeder Gelegenheit maßregelt, ist einfach zu köstlich.
Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben, und da der Roman in der 1. Person geschrieben ist, taucht der Leser sehr tief in die Gefühle und Gedanken dieser Personen ein. Immer ein sehr packendes, aber nicht immer ein angenehmes Erlebnis.

Welt
Die Welt, die Daniel Illger entwickelt, scheint riesig zu sein (zumindest versprechen das zahlreiche Andeutungen im Roman und die Karte am Ende des Buches).
Dennoch spielt Skargat in einem kleinen Teil dieser Welt. Außer einigen Nebenschauplätzen spielt die Geschichte größtenteils in einer Stadt, der Perle. Besonders beeindruckt hat mich die Totenstadt, die sich dort, als Relikt einer untergegangenen Zeit, über eine große Fläche erstreckt.
Das Besondere an diesem Roman ist sicherlich die Geisterwelt, die parallel zur Welt der Menschen zu existieren scheint und die wir im Laufe der Handlung immer mehr entdecken.

Sprache
Der Roman ist in der 1. Person geschrieben, wobei sich die Perspektive nicht nur an einer Person aufhält, sondern insgesamt drei Personen aus ihrer Sicht abwechselnd erzählen: Mykar, Justinius und Vanice.
Die Sprache des Romans ist in weiten Teilen sehr beeindruckend. Ganz besonders sticht die Sprache des Ich-Erzählers Justinius heraus. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht stellenweise sehr derb. Doch es macht unglaublichen Spaß ihm zuzuhören.
Besonders gefallen haben mir auch die Namen, die Daniel Illger seinen Charakteren gegeben hat. In Justinius klingt schon die Gerechtigkeit mit, gleichzeitig zeugt es von Adel. Vanice hört sich für mich nach der englischen Form von Venedig an (morbides Flair) und erinnert gleichzeitig ein bisschen an die Südstaaten der USA. Scara schließlich hört sich ein bisschen wie der Laut einer respektlosen Krähe an und der teuflische Skargat schwingt darin mit.

Fazit
Tolles Buch mit grandioser Stimmung. Am Ende bleiben so viele Geheimnisse, dass ich ganz gespannt auf einen zweiten Teil bin.